Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1908
- Issue
- 2 (11.1908)
- Date
- 1908-11-01
- Page
- Seite 28 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 28 Dinge sehr genau; viele Hausfrauen sind in diesem Punkte nachlässig und oberflächlich, aber sehr mit Unrecht. Beim „Salzen" spare das Salz nicht und siehe zu, daß es in alle Fugen des Fleisches kommt. Das gesalzene Fleisch lege auf ein Weiden - geflecht (Korb) oder auf ein Brett. Dieses muß aber sehr schräg gestellt sein, damit das Plut sofort und gut abläuft, damit es nicht stehen bleibt, denn dieses Blut i ist natürlich ncnc und macht das Fleisch, das hinein taucht, sowie alles, worauf es vielleicht tropft, ebenfalls . Achte auch darauf, daß Du das gesalzene Fleisch ja nicht unter den Hahnen der Wasserleitung legst, denn wenn ein Tropfen Wasser herabfällt, so kann dieser auch nv'iv machen. Daß Du das Fleisch-Koschermachen, wie überhaupt das ganze Kaschruswesen einem nichtjndischen Mädchen nicht anvertrauen darfst, auch wenn es sehr zuverlässig ist, weißt Du. Aber auch bei einem jüdischen Mädchen halte Deine Augen offen. Wichtige Sachen besorgt man immer am besten selbst und hält sie unter beständiger Controlle. „Selbst ist der Mann" und in diesen Dingen ist die Hausfrau der„Mann." Jetzt will ich Dir noch die wichtigsten Dinge sagen betreffs der Leber. Zunächst das eine. Die Leber „wässert" man. Wenn man sie aus dem Wasser heraus nimmt, legt man sie aber nicht zum andern Fleisch, sondern man entfernt sie von demselben. Man salzt sie auch nicht, sonder» man legt sie sofort auf den Rost oder das Sieb zum Braten. Erst wenn die Leber auf oder über dem Feuer liegt, streut man ein wenig Salz darauf. Nun »tuß ich Dich aber ganz besonders darauf Hinweisen, daß Du nicht den Irrtum mitmachft. den man leider in vielen Kreisen von Unwissenden in Süddeutschland begeht. Diese Leute legen nämlich die Leber auf ein Kraut(Äohl)-Blatt, dieses auf einest Ziegelstein oder gar auf die Herdplatte oder Herdringe und braten die Leber auf diesen Dingen. Dies ist grundfalsch. Da wird die Leber nicht nur nicht HP 3, sondern sie wird durch und durch nvns. Das Blut kann ja nicht ablaufen, es bleibt auf dem Krautblatt oder dem Ziegelstein stehen und kocht wieder lin die Leber hinein, diese unrettbar nv'ii: machend. Folge also hierin nicht der einen oder andern braven Freundin, sondern mache es folgendermaßen. Lasse Dir von einem Siebmacher ein Sieb aus Draht anftrtigen, so groß wie die größte Ocffnung Deines Herdes, lege dieses Sieb auf das Herdloch direkt unmittelbar über das Feuer, lege die Leber auf das Sieb, sodaß das heraustropfende Blut ins Feuer hineinfällt und brate die Leber bis es genug ist. Nach dem Braten mußt Du natürlich das Sieb von dem anklebenden Schmutz gut reinigen, am besten mit einer Wurzelbürste, hängst dann das Sieb an einer luftigen Stelle zum Trocknen auf, ms Du es wieder benötigst. So mußt Du es auch bei Geflügellebern und „Stopflebern" halten. Nach dem Braten wäscht man die Leber gut ab mit kaltem Wasser, dann kannst Du sie nach Deinem und Deines Mannes Geschmack zubereiten. Das Fleych läßt man eine Stunde lang im Salz liegen, wie allgemein üblich. Dann „begießt" man es sorgfältig, daß alles Blut und Salz gut abgespült ist.