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Jüdischer Volksbote · 1908-11-01 · 2 (11.1908) · p. Seite 27

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1908
Issue
2 (11.1908)
Date
1908-11-01
Page
Seite 27 (sequence 9)
Language
German
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— 27 Langsam brennen die Lichter nieder; in den Stuben wird es still, denn die Arbeit ruft noch bis zum Abend. Dann aber sammelt sich alles in Festesstimmung und das Spiel ist die Losung. Und wer das ganze Jahr nicht spielt, und wer zwischen Bube und König und wer zwischen Pique und Coeur nicht unterscheiden kann — am Chanuka spielt er dennoch. Die Jugend aber trendelt, immer wieder rollt das Trendelchen über den Tisch und Glück und Pech birgt es in seinem Rollen. Im Trendelchen liegt die Wahrheit: ir und; und n und :: Alles und die Hälfte, nichts und Verlust — ist es nicht Menschenschicksal? Aber die Jugend weiß nichts davon, sie trendelt und trendelt und. denkt höchstens der Pfennige oder der Nüsse, die der Abend bringt oder gehen heißt. — — — Draußen der Winter und der Sturm und der Nebel, aber im traulichen Zimmer Chanukafreude. H. Sch. Eanie Sarai) an ihre ßicbtc Ruth. Liebe Ruth! Deine Nachrichten ans Deinem neu gegründeten Heime lassen mich zu meiner großen Freude erkennen, wie gut Du Dich in Deine Aufgabe als Hausmütterchen eingeführt hast und welch großes Verständnis Du besitzest, Dein Haus gut und praktisch schön und gemütlich einzurichten. Auch Deine Küche hast Du, wie ich aus Deinen Briefen schließen kann, sehr praktisch mit den notwendigen Gerätschaften ausgestattet und milchige, fleischige und minnige Abteilung sehr hübsch unterschieden. Ich will Dir nun in Folgendem noch einige Winke über Kaschrus-Angelegenheiten geben, die ich darum für sehr notwendig halte, weil bei Uns vielfach falsche Meinungen verbreitet sind. Zunächst vom .Fleisch-Koschermachen". Daß man das Fleisch eine halbe Stunde im Wasser liegen läßt, ist jedermann bekannt. Der Zweck ist der, daß 1) das Fleisch etwas aufgeweicht wird, damit das Salz desto besser einzudringen vermag, um das Blut herauszuziehen, 2) damit das Blut, welches an der Oberfläche des Fleisches haftet, abgewascheu wird. Würde das Blut von der Oberfläche des Fleisches nicht entfernt, so würde das Salzen den Erfolg haben, daß es in das Fleisch hinein gesogeu wird, also gerade den entgegengesetzten, als man beabsichtigt. Das Blut soll aus dem Fleische herausgezogen werden. Merke Dir darum als eine sehr wichtige Sache folgendes: Wenn das Fleisch,, wie es vom Metzger kommt, blutige Flecken zeigt, so mußt Du dieses Blut abwaschen, beziehungs!- weise abreiben, bis die Stelle ganz sauber ist. Ist das Blut unter der Oberfläche, das was man „unterlaufen" nennt, so mußt Du diese Stelle auf- oder ausschneiden und dann abwaschen und abreiben. Achte auf diese

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