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Jüdischer Volksbote · 1908-11-01 · 2 (11.1908) · p. Seite 26

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1908
Issue
2 (11.1908)
Date
1908-11-01
Page
Seite 26 (sequence 8)
Language
German
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— 26 — kommt Aislew, und im Kislew waren die 25 Tage bei mancher Arbeit schnell vergangen, und dann war Chanlika. Chanuka auf dem Lande. Kindheitserinnerungen wurden in mir wach. Zwanzig Jahre sind es her und noch länger, da ward am Chanuka die Schule des Nachmittags eine viertel Stunde früher geschlossen, und ein Wettlaufen Hub an bis zur Synagoge hin. Und in Schul, da war Festesstimmung und Heller Lichterglauz. -»Vor dem Oraun Hakaudesch aber stand die Menauroh, die große prächtige Menauroh und nach Minchoh klangen von ihr aus die Brochaus ins Gotteshaus hinab. Solche Brochaus freilich, wie ich sie als Kind gehört, kehren nicht wieder, . . so kann nur einer „entzünden" — aber Chanuka-Freude und Chanuka-Licht bleibt sich überall auf Erden gleich. Und Freude und Licht war auch hier bei uns auf dem Lande in der Keinen Schul' mit den wenigen Betern, mit der kleinen Menauroh und den . Keinen Lichtern. Draußen der Winter und der Sturm und der Nebel und hier in Schul zu der Stunde des Nachmittags die ganze kleine Gemeinde, die Frauen und Kinder und auf allen Gesichtern die Freude und in allen Herzen das Licht — Chanuka. Und mehr wie in der großen Gemeinde der Heimatstadt habe ich es hier empfunden, daß das Judentum nicht .an Ort und Raum gebunden sei, daß die ganze Welt seine Heimat, und daß jeder Ort zur Stätte des Segens werde, wo Gott seines Namens gedacht werden läßt. — Und es war in den Tagen Matisjohus ben Jauchonon, des hohen Priesters,, des .Hasmonäers — also erzählt die Chanuka- Geschichte. Nicht in Jerusalem, in Modin, dem weltfernen Flecken erstand der Helfer, und so soll das Judentum mit inniger^Liebe die Jahrtausende hindurch alle Glieder seines Volkes uinfasien, alle Gemeinden und seien sie noch so Kein und seien sie noch so ferne — sie alle sind die Bausteine, die nimmer fehlen dürfen, wenn sich der Bau des Judentums in alter unvergänglicher Schönheit und Stärke erhalten soll. Bon der Chanukah- Geschichte der Vergangenheit hatte mein Sinnen mich fortgeführt zu der Gegenwart und fort in das Traumland der Zukunft. Inzwischen war es Nacht geworden, die Zeit zum Entzünden ist gekommen und an den Fenstern, die zur Straße hinausführen, flammen die Keinen Lichter auf, die Lichter des Gedächtnisses und der Erinnerung und deS Dankes, Ihm, der den Vätern Wunder getan an jenen Tagen zu dieser Zeit. Hell leuchten die Lichter und hell Kingen die Stimmen, die bei ihrem Schein, Moaus Zur Jeschuosie mit inniger Fröhlichkeit anstimmen. - Fernab der großen Straße liegt das Dörfchen, keine Eisenbahn führt zu ihm hin, und selbst die Post kommt nur bis zum Nachbardorfe. Vereinzelte Wagen fahren nur durch die breite Dorfstraße nach anderen, noch entlegeueren Plätzen. Und am Chauukah habe ich immer daran denken müssen, es müßte sich treffen, daß einer heute zur Abendstunde vorüberführe, ein Jude, der vielleicht seit Jahr und Tag des Lichterglanzes am Chanuka vergessen habe, und nun sähe er die Fenster im Hellen Scheine, ihm müßte es wie ein Märchen beuchen, ein Märchen aus alter Zeit. Er würde der Heimat denken und der Kindheit, und durch seine Seele zöge ei« Hauch vom Gejfte des Judentums, der durch die Jahr» hunderte wandert — ewig und unvergänglich. — i

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