Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1908
- Issue
- 2 (11.1908)
- Date
- 1908-11-01
- Page
- Seite 25 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wer mit solchen Gesinnungen das Kaddisch spricht, der betet stillschweigend für das ewige Seelenheil der Seinen, er.erhält und behält die Anregung zu einem Leben, das die schönste Verherrlichung von Vater und Mutter werden kann und ihn fortsetzen läßt, was jene haben unvollendet znrücklassen müssen. In einem alten Midraschwerke findet sich die sinnige Erzählung, daß R. Akiba einstmals in einer nächtlichen Erscheinung den Auftrag erhielt, den Sohn eines kurz vorher Verstorbene» das Kaddisch zn lehren, damit letzterer der Seligkeit teilhaftig werde. Das Leben eines Akiba war aber ein ununterbrochener „Kiddusch Haschem", und keiner mehr wie er war geeignet, seine Zeitgenossen zu belehren, wie sie nicht nur mit den Lippen „Kaddisch sprechen" könnten. Möchte doch ei» jeder, so oft er das Kaddisch spricht, aus diesem Gebete die Anregung gewinnen, vor allem mit seinem Tun und Lassen den Schöpfer zz» heiligen und möchten alle jüdischen Eltern ihre Kinder so erziehen, daß diese auch nach ihrem Tode in Tat und Gesinnung die Liebe zum Glauben und die Treue zum Gesetze bekunden! Dann wird ihnen aus jedem Gebetsworte ihrer Sprößlinge das währe Seelenheil erblühen, und werden diese selbst im Kaddisch den rechten Trost alle Zeit finden. f Cbamika-Cage auf dem Lande. Zu Beginn des Tischri Monats habe ich in diesen Blättern vom Rausch-Haschonoh auf dem Lande erzählt; ich erzählte von seiner Weihe und seinem Frieden, von der ernsten Freude, die er niir gebracht und dem frohem Ernste, den er in mir wachgerufen. — Es war der scheidende Sommer, der zur Rausch-Haschonoh-Zeit über dem Dörfchen lag, ein wehmütiges Abschiednehmen von Blumenglanz und Vogellied, ein beginnendes Verklingen der Jubeltöne, die der Frühling auf Erden anstimml. — Nach Rausch-Haschonoh Jaum Hakipurim, der Tag der Versöhnung, der König der Jömim Tauwim, der vom Trone gestiegen, weil der Tag des Gerichtes gekommen; nach Jaum Hakipurim Suckaus, das Fest der Freude, wo aus Hütten Lieder schallen und der aufstrebende Palmzweig sich mit der lieblichen Myrte, der bescheidenen Weide nnd der köstlichen Estogfrucht zum reichen Strauße in unserer Hand verbindet. Und dann war wieder der Alltag da, d?r Alltag mit seiner Arbeit, mit all den kleinen und großen Mühen nnd Sorgen, dem Sommer war t«r Herbst gefolgt und dem Herbst hatte sich über Nacht der Winter zugesellt. Der nordische Winter. Bon der Ostsee kamen die Stürme über unser Dorf, sie sausten mit Macht über die kleinen Häuser, und der Schnee legte sich breit und behaglich über die Stoppelfelder, auf die Straßen uud auf den Spiegel des Flusses, der im Eise erstarrt war. — Nach Cheschwan