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Jüdischer Volksbote · 1908-11-01 · 2 (11.1908) · p. Seite 24

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1908
Issue
2 (11.1908)
Date
1908-11-01
Page
Seite 24 (sequence 6)
Language
German
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großer Nam e*. Neue Hoffnung und Zuversicht ziehet da in seine Brust ein, und das Bewußtsein von der Allmacht und Allgüte des Herrn „der die Welt nachlseinem Willen geschaffen hat" als persönlicher frei schaltender und! waltender Weiser, so hoch im Himmel tronend, und doch auf alle seine Geschöpfe mild und freundlich herniederblickend, triumphiert in ihm. Es weichen die Trübnis und das Zagen seines Herzens in der stärkenden Zuversicht, daß der Allvater im Himmel, der in seiner Liebe und Weisheit kein Stäubchen auf Erden verloren gehen läßt, sicherlich auch die Krone und Zierde der Schöpfung, den Menschen, iu dem Geist lebt von seinem Geist und ein Hauch seines unendlichen Odems weht, nicht der Vernichtung und Verwesung entgegenführt, sondern durch die dunkle Pforte des Todes zu einem neuen, unendlich hellen, glücklichen Lebensmorgen leitet. Von solcher Gewißheit getragen, ersehnt und erfleht er, daß Er recht bald das Gottesreich auch auf Erden nufrichten möge", auf jener Erde, die er nach seinem Willen ja geschaffen und die sich eben darum nach seinem Willen auch entwickeln muß, und dieser Wunsch teilt sich der ganzen Gemeinde mit, die ihn laut und feierlich bekräftigt: „Es möge des Herrn Name in allen Welten gepriesen werden." Friede ist. in sein Herz eingezogen, und diesen Frieden als ewigen Besitz und dazu ein tätiges, Gott dienendes Leben erbittet er nun für sich und ganz Israel. Die Erfüllung dieses Gebetes verheißt ihm die Ueberzeugung, daß Er, der Friedensbaumeister, .der. in den Höhen Frieden schafft", indem er die Millionen von Himmelskörpern, die am Firmamente hängen, friedlich eint, auch alles auf Erde» Zwiespältige und Widerstrebende schließlich harmonisch und einträchtig verbinden werde. Das ist der wesentliche Inhalt des erhabenen Kaddisch, das, wenn es den Beschluß einer Gebetsabteilung bildet, noch einen Zusatz erhält, die Bitte, daß des gesamten Israels Gebete und Anliegen vor dem Herrn gnädige Aufnahme finden mögen. Wer den Inhalt unseres Gebetes sich recht vergegenwärtigt, wird schwerlich in ihm eine Bitte für das Seelenheil der Hingeschiedenen vermissen und ebensowenig irgend ein Wort der Klage und Wehmut. Es atmet das Kaddisch eben voll und ganz den Geist des Judentums, das seinen Bekennern niemals die dusteren Schatten des Todes vormalt, sondern in ihnen die Stimmung froher Zuversicht und Hoffnung weckt und die Liebe zum Leben steigert. Es will die, welche es sprechen, wie die, welche es hören, zu einem um so kraftvolleren, diesseitigen Leben anregen und anspornen, am Gottesreiche auf Erden mitbauen zu helfen. Der einzelne lebt nicht ewig, sein Geist ist aber für die Ewigkeit bestimmt, und das Gute, das er im Leben gewirkt, und der Segen, den er gestiftet, sind Saatenkeime neuen Segens und Heiles. Darum soll uns der Tod nicht schrecken und in unserm Schaffen und Wirken nicht lähmen, und grade im größten Schmerze den wir erfahren, legen wir das Bekenntnis von der Weltenlenkung und Vorsehung Gottes ab und stärken wir unfern Willen, durch ein Leben der Heiligkeit und Weihe für Gottes Reich auf Erden die Bausteine zu reichen.

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