Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1908
- Issue
- 2 (11.1908)
- Date
- 1908-11-01
- Page
- Seite 22 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4903180-5965933-5965950--041-4903215- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SS familie auf und ergriff von da aus einen kleinen, aber von Tag zu Tag wachsenden Kreis mit solcher Macht, daß an ihm sich der Uebermut der Feinde brach und diese vollständig besiegt wurden. Als dann die treugebliebenen siegreichen Retter des Gotteslichtes das entweihte verödete Heiligtum wiederherstellen wollten, fanden sie nur noch ein winziges Krügchen Oel, das nur einen »Tag die Tempelflamme hätte versorgen können. Und dieser winzige Rest reichte wunderbarer Weise volle acht Tage zum Unterhalt des Tempellichtes. Das ist die Geschichte des Chanukalichtes, das alljährlich in allen jüdischen Häusern auf weitem Erdrund durch die Nacht in die Herzen seiner Pfleger hineinleuchtet, eine Lichtbrücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen vnn v'v'^und rrcn )2T3 schlägt und jedem die trostvolle Wahrheit in die Seele redet, daß der Lichtgeist Gottes stärker ist als alle irdischen Mächte, daß es versorgt ist, so lange es treue Hände giebt, die seiner warten und daß diese Hände vor keiner llebermacht zu zittern brauchen, d so lange sie rein im Dienst dieses Gotteslichtes stehen. 'T2 yui ,yva ">z * * r * f Chanuka beginnt am 25. Kislev und dauert acht Tage. Fasttage und Trauerreden sind am Cbanuka verboten, jedoch ist jede Werkverrichtung gestattet. Nur Frauen, weil sie in der Geschichte des Festes besonders hervortreten, enthalten sich jeder Arbeit, solange die Chanukalichter brennen. — Jede Art Licht ist verwendbar, jedoch sind Olivenöl und hellbrennendes Oel sowie Wachslicht am meisten geeignet. Alle Hausgenossen zünden je ein Licht am ersten Chanukaabend an, am zweiten Abend zwei bis zum achten Abend, an dem jeder acht Lichter anzündet. Die Lichter sollen so gruppiert sein, daß ihre dem jeweiligen Abend entsprechende Zahl ohne weiteres in die Augen fällt. Ursprünglich wurden die Chanukalichter an der Haustür gegenüber der Mesuso ausgestellt. Wir zünden sie heute hinter dem Fenster derart an, daß das Licht von der Straße aus gesehen werden kann. Wo dies nicht möglich ist, stellt man sie an die Tür, nicht weniger als drei und nicht mehr als zehn Tfochim (Fäuste) hoch vom Boden entfernt. — Auch in der Synagoge werden Chanjikalichter angeziindet um der Feier, die eigentlich dem Hause gehört, auch einen öffentlichen Ausdruck zu geben. Mit diesen Chanukalichtern in der Synagoge hat jedoch keiner seiner Pflicht, im Hause die Chanukalichter anzuzüstden, genügt. Das Anzünden! der Chanukalichter erfolgt bei beginnender Nacht mit Hervortreten der Sterne. Unmittelbar vor dieser Zeit ist jede Beschäftigung untersagt, durch welche man von der Pflicht abgelenkt werden könnte. Die Lichter müssen eine hälbe Stunde brennen und sind schon vor dem Anzünden an den für sie bestimmten Platz zu stellen. Die Chanukalichter dürfen ihrem heilige» Charakter entsprechend für keinen anderen Zweck gebraucht werden. Erst nachdem sie die vorgeschriebene Zeit gebrannt haben, darf | man sich ihrer bedienen. — Um jede irrtümliche anderweitige Benutzung