Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1908
- Issue
- 1 (10.1908)
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 19 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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19 wiirch.fiarchoiiod.Tsge auf dem Lande. Bald werden es zehn Jahre, daß ich auf dem Lande lebte, lsnd wenn nun die Zeit der Jomim Nauroim zu »ins kam, da schrieben sie mir aus den großen Städten, daß ich doch eigentlich in diesen Tage» auf so vieles verzichten müsse, was dem Rausch Haschonoh in großen Gemeinden den Stempel des Ernstes und der Weihe zu verleihen pflegt. Die-Synagoge mit der Fülle der Beter, die Chasonim mit der Kunst ihres Vortrags, die Zahl der Wünsche und Gegenwünsche, kurz die ganze Stimmung, die am Rausch Haschonoh aus Himmels Höhen zu den Kehillaus der großen Städte niedersteigt. So schrieb man mir und im ersten Jahre habe ich in der Tat mit Gefühlen banger Erwartung diese Jomim Nauroim nahen sehen und gefürchtet, daß sie mich gar einsam und unbefriedigt finden würden. Aber ich habe mich getäuscht und mit mir irrten jene, die die Jomim Nauroim auf dem Lande nicht kennen. Und so will ich in diesen Blättern, die zu Beginn des Tischri Monats in die Lande ziehen, von jenen schönen Rausch Haschonoh Tagen erzählen, die ich einst auf dem Lande verlebte und will hinzufügen, daß ich wohl glaube, nie wieder solche Rausch Haschonoh Tage zu erleben. — Um die Abendstunde versammelten wir uns in der kleinen Synagoge die mit dem weißen Porauches und der weißen Almemor-Decke feierlich geschmückt war und zu deren Besuchern sich heute noch eine kleine Anzahl Fremder gefunden hatte, die mit Pferd und Wagen Stunden weit gereist waren, um Rausch Haschonoh mit uns zu feiern Ein Chason war aus der Nachbarschaft zu uns gekommen — und mit seinem Borchuh, das klangvoll und getragen die Tefilloh begann, war der Rausch Haschonoh bei uns eingezogen. Vergessen war die kleine Synagoge, und vor mir erstand ein herrliches Gotteshaus, dessen Säulen mächtig zur Höhe strebten zu jenen fernen Welten, da man jetzt die Polster bereit legte zu dem großen Gerichtstag. Tikuh Bachaudesch Schaufor - erklang es jetzt; die Schofarklänge' aus vergangenen Kindertagen glaubte ich zu hören. Udeworcho Emmes sprach die Tefilloh und der Kiddusch senkte innige Zuversicht und heiligen Frieden, in mein Herz. — Dann war man zu Ende und siehe da — ein Wünschen hob an, ein so herzliches Leschono Tauwoh Tikosew, daß man die Hunderte der großen Gemeinden nicht vermißte, daß man sich eben — weil es nur wenige waren — mit um so innigerer Herzlichkeit an den einzelnen wandte und zu ihm von seinen Wünschen sprach. Denn man kannte ja die Wünsche eines jeden, man ging ja nicht mit seinem Wunsche von Bank zu Bank —' man blieb bei jeden» nnd jeder blieb bei mir, und ein Band igpiger Zusammengehörigkeit wob sich um die Brüderherzen, während draußen der erste Tischri Abend im Glanze hell leuchtender Sterne über die Erde zog. — Das war der erste Rausch .Haschonoh Abend, still war es ringsum, kein fremdes Bild störte die Weihe, und ernst und doch froh ging ein jeder seinem Hanse zu. — In der Frühe des Morgens begann die Tefilloh. Ein jeder war zur Stelle, die Pintim''erklangen in den alten lieben Melodien, die Akedoh zog