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Jüdischer Volksbote · 1908-10-01 · 1 (10.1908) · p. Seite 18

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1908
Issue
1 (10.1908)
Date
1908-10-01
Page
Seite 18 (sequence 22)
Language
German
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18 sich ihre Ausführungen nkit ihrer Spitze auch weniger gegen den Vorsteher als gegen de« Lehrer kehrten. Es sei eine Chuzpe an eine kleine, arme Gemeinde auch nur ein solches Ansinnen zu stellen. Die Not könne so groß nicht sein, bei den vielen Nebeneinkünften und die Frau Lehrer gehe am Schabbos und Jomtof mit einem Hut daher, wie ihn keine Frau in der ganzen Gemeinde schöner hat. Sie sagt allerdings, daß er ein Geschenk ihrer Tante in der Stqdt sei, aber wenn man so reiche Tanten hat, sollte man auch eine arme Gemeinde mit solchen Forderungen verschonen. Ju dieser Tonart gings fort, und als dann die Abstimmung vorgenommen wurde, faiw das Gesuch eine einstimmige Ablehnung. Selbst der Vorsteher stimmte! dagegen. Seine eine Stimme hätte dem Lehrer nichts helfen, aber seiner eigenen Stellung viel schaden könne. So aber konnte Mendel Oppenheim ihm damit nichts anhaben. Lehrer Simon hatte das Resultat schon erfahren, bevor er Abends zum Vorsteher kam finden, um dem Lehrer „Sie sagten mir Dieser wußte vor Verlegenheit kaum ein Wort zu die Botschaft mitzuteilen. gestern Abend' fing er stockend an „daß alle Mitglieder sich bereit erklärt hätten, Ihr Gesuch zu genehmigen und jetzt-" „Hat die Gemeinde einstimmig mein Gesuch abgelehnt", ergänzte der Lehrer mitleidig die Worte des Vorstehers, um ihm das Peinliche dieser Mitteilung zu ersparen. , „Ich habe es nicht anders erwartet," fuhr er heiter fort, „und hätte es Ihnen gestern schon sagen können." Wieder schaute der Vorsteher den Lehrer verwundert an, aber dieser fuhr lächelnd fort: „Diese Wissenschaft verdanke ich meinen geringen Kenntnissen in der Medicin. Vor vielen Jahren noch bevor ich in Hasselbrunn war, lag ich einmal schwer krank danieder. Mitten in meiner Krankheit bekam ich einmal unbezähmbare Lust nach Pfannkuchen. Der Arzt war darüber ganz entsetzt und meinte eine so schwere Speise könnte das Schlimmste zur Folge haben, ich müsse bei meiner Diät bleiben, eine mit Butter geröstete Mehlsuppe und ein weich gesottenes Ei. Als ich dem Arzt dagegen bemerkte, Pfannkuchen enthielten doch eigentlich auch nichts anderes, als Mehl, Butter und Ei, da gab er mir die lehrreiche Antwort: „Einzeln sind sie alle gut, aber zusammen taugen sie nichts!" Durch die heitere Wendung, die der Lehrer so dem Gespräch gegeben hatte, gewann der Vorsteher sein Selbstvertrauen so weit wieder, daß er die Frage hinwarf: „Und in eine solche Gemeinde wollen Sie Einigkeit bringen? „Nein, Herr Vorsteher, das will ich nicht, denn ich habe es bereits getan. Erinnern Sie sich so lange Sie Vorsteher sind, daß je eine einzige Abstimmung in der Gemeinde mit Einstimmigkeit erfolgt ist? Das Wunder habe ich zuwege gebracht. Mögen alle in ihren Ansichten nnd Absichten, Standpunkten und Prinzipien noch so weit auseinandergehen, wenn Sie sie einig haben wollen, brauchen Sie nur mit einer Gehaltserhöhung zu kommen, dann sind alle Gegensätze ausgesöhnt und die Streitenden sind einig.

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