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Jüdischer Volksbote · 1908-10-01 · 1 (10.1908) · p. Seite 20

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1908
Issue
1 (10.1908)
Date
1908-10-01
Page
Seite 20 (sequence 24)
Language
German
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20 in der erschütternden Schlichtheit ihres Vortrags vorüber, die Ternohklänge erfüllten die kleine Schul mit der Macht ihrer Töne, die Awaudoh ließ uns in tiefer Demut zu Boden sinken und die Malchiaus, Sichraunaus und Schaufraus erzählten von Gottes Liebe im Menschen — und Völkerleben. Noch einmal erklang der Schaufor Abschied nehmend, und wir verließen die Synagoge. 7— ' In den Städted, in den großen Gemeinden — wir wollen es uns gestehen — weicht nun die Weihestimmung mancher anderen, es kommen die Pflichten der Gesellschaft, es kommen Besuche und Gegenbesuche, vielleicht auch Spaziergänge, bei denen man plaudernd der Tagesereignisse gedenkt, und erst der Abend, der zweite Rausch Haschonoh Abend findet die Gemeinde abermals in der Stimmung der Jomim Nauroim. Auf dem Lande war das anders, ganz anders und eben dieses andere wird mir stets unvergeßlich bleiben. Es war ein schöner Spätherbsttag und die Nachmittagsstunden verbrachte ich allein oder im Kreise weniger Freunde auf stillen Weg en des Dörfchens. Wir gingen in ruhiger Freude, sprachen von Tischri und Schofarklängen, von Jaum Hakeseh und Udworchoh Emmes, vou Piutim nnd der Awaudoh und schließlich schwiegen wir und jeder hing seinen eigenen ernsten Gedanken nach. Rausch Haschonoh-Gedanken, ernstes Sinnen über Vergangenes, ernstes Sinnen über die Zukunft — dankbar für alles erreichte und hoffuungsfreudig allem künftigen. Und auch ohne Worte waren es Tefillaus, die aus unseren Herzen zu dem Richter auf dem Weltentrone aufstiegen. — An einem kleinen Bache machten wir Halt. Nichts von all den Witzworten, die in großen Gemeinden von Mund zu Mund gehen, ward hier gehört — still war |e§ in der Weite und ernst und innig kam das Mi El Komauchoh von unseren Lippen. Die Wasser zogen murmelnd weiter dem Strome zu, der Strom zieht zum Meer und den Meereswogen gleich sollen auch die Irrungen des Menschenherzens hinweggespült werden von reineren besseren Taten. »Und versenke unsere Vergehen in die Tiefen des Meeres" — so beteten wir. Dann dämmerte der Abend und abermals gingen wir in die kleine Schul, und das Borchuh, das uns klangvoll und getragen entgegen tönte — es war das Omen, das der zweite Rausch Haschonoh Tag seinem scheidenden Bruder nachrief. — Das' sind Rausch Haschonoh Tage auf dem Lande. H. Sch. Wegen Raummangels mußten die Rubriken » W i r t s ch a f t - liches" rmd »Berufswahl" für diesmal ausfallen.

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