Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1908
- Issue
- 1 (10.1908)
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 17 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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17 „Und der Mendel?" fragte der Vorsteher. „Sie wissen, daß er absolut Parnes werden möchte und deshalb alles bekämpft was ich gutheiße, er ist auch Ihr heimlicher Gegner, was hat er gesagt?" „Er war wie umgewandelt, wenn der Herr Vorsteher für den Zuschuß wirklich eintritt, so sei auch er dafür, darauf könne ich mich fest verlassen. Und nun Herr Vorsteher tun Sie das Ihrige. Wenn Sie energisch für die Sache eintreten, kann's nicht fehlen und dann verspreche ich Ihnen, wie -die Sache auch ausfallen mag, auch etwas besonderes. Für Ihre persönlichen Bemühungen, verspreche ich Ihnen, daß ich endlich einmal Einigkeit in unsere Gemeinde bringen werde." Der Vorsteher sah bei diesen Worten den Lehrer womöglich noch etwas größer an, als er es heute morgen getan hatte, dann ftügte er erstaunt: „Sie wollen in unsere Kahal Einigkeit bringen? Wie wollen Sie das anfangen?" „Das lassen Sie einmal noch 24 Stunden lang mein Geheimnis bleiben, wenn ich morgen Abend zu Ihnen komme um mir das Resultat der Abstimmung von Ihnen sagen zu lassen, werde ich Sie in mein Geheimnis einweihen." Außer den drei Witwen, welche auch zu den steuerpflichtigen Gemeindemitgliedern zählten, fehlte am andern Tage keiner in der Versammlung. Als ihr eigentlicher Zweck erledigt war, brachte der Vorsteher das Gesuch des Lehrers vor. Er sprach nicht ein Wort dafür oder dagegen, er verlas nicht einmal das Gesuch, sondern beschränkte sich darauf, mitzuteilen, der Herr Lehrer wolle eine jährliche Aufbesserung vou 100 Mark, er habe diesen Wunsch durch ein Gesuch ausführlich begründet, das jeder einsehen könne, der sich dafür interessirt, es sei nun Sache der Gemeinde sich darüber auszusprechen. Kaum hatte der Vorsteher seine wenigen Worte gesprochen, als sick gleichzeitig 5—6 Stimmen erhoben, unter welchen sich diejenige von Mendel Oppenheim nach wenigen Minuten die Oberhand verschaffte. Seine Einleitung war in dem Stimmengewirr unverständlich verhallt, aber was dann folgte, war genügend, um keinen Zweifel über seine-Ansicht auflommen zu lassM. „Ich hab's ja immer gesagt, daß unser Parnes ein braver Mann ist, aber für diese Sorte Bravheit bedanken wir uns. Gestern ist der Lehrer in der ganzen Gemeinde hausiren gegangen, um uns für seine Sache zu gewinnen. Er hat mir und allen Baale Battim erzählt, der Herr Vorsteher sei mit einem Zuschuß von 100 Mark einverstanden. Wie kann aber der Vorsteher mit einem Zuschuß einverstanden sein, ohne erst die Gemeinde gehört zu haben? Hat der Vorstand ein Recht über unser Geld zu verfügen? Gewiß nicht; aber er ist ein braver Mann. Er wird dem Letzter gewiß die 100 Merb aus seiner eigenen Tasche zahlen, er ist ein Kozen und kann sich das schon erlauben. In diesem Sinn habe ich auch gestern schon dem Lehrer mein Einverständnis mit dieser Gehaltserhöhung erklärt und ich denke, daß es die anderen ebenso gemeint haben. Dann gehört eben die ganze Sache gar nicht in die Versammlung und ich beantrage sofort zur Tagesordnung überzugehen.". ' In ähnlichem Sinne sprachen die sämtlichen übrigen Redner, wenn