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Jüdischer Volksbote · 1908-10-01 · 1 (10.1908) · p. Seite 13

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1908
Issue
1 (10.1908)
Date
1908-10-01
Page
Seite 13 (sequence 17)
Language
German
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13 sich der einzelne, er mag noch so hygienisch leben, nie mit Sicherheit! vor Ansteckung schützen können. Die Gemeinde, der! Staat, ja selbst die Gesamtheit aller Kulturstaaten mußte eine systematische Tätigkeit zur Verhütung von Volkskrankheiten entfalten, um zu eineni sichern Erfolg zu gelangen. Diese „öffentliche Hygiene", die in Verbindung mit der steigenden Wohlhabenheit und befferen Lebenshaltung der Bevölkerung und dem zunehmenden Verständnis für hygienische Lebensweise eine große Sicherheit in der Abwehr von Seuchen geschaffen und, in Verbindung mit den Fortschritten der Heilkunde, die Chancen für die Erhaltung von schwachen Individuen, die früher zu Grunde gingen, wesentlich verbessert hat, — sie greift in tausenv Gebiete des täglichen Lebens ein. Sie hat für die Beschaffung wohlschmeckenden und mindestens gut filtrierten Trinkwafsers, für die Beseitigung und Unschädlichmachung der ungeheuren Massen von Abfallstoffen, die eine Großstadt liefert, oder der Abwässer von Fabriken, für die Austrocknung von Sümpfen, für die Controlle der Nahrungsmittel, für die Beschaffung von genügend Raum und Licht in Schulen n»d Krankenhäusern zu sorgen. Kanalisation und Wasserleitung haben an manchen Orten den Typhus ansgerottet. Der Regulierung der Flüffe und Trockenlegung von Sümpfen ist es zuzuschreiben, daß das aufreibende Sumpffieber, die Malaria, die früher in Mitteleuropa, in England, die allergewöhnlichste Fieberkrankheit war, an der Alt und Jung litt, heute eine den Westeuropäer» fast unbekannte Krankheit geworden ist. Großes ist, wie erwähnt, in der Absperrung gegen herannahende Cholera-, Pest- und Pockenepidemieen erreicht worden. Seitdem man deren Erreger kennen und vernichten gelernt hat und seitdem man durch Abschließung kranker Personen und verseuchter Bezirke gegen die Außenwelt, durch Vernichtung des ansteckungsfähigen Materials, durch frühzeitige Erkennung der ersten Fälle, durch Grenzkontrolle und geregelten Anzeige- und Nachrichtendienst und durch Schutzimpfungen gegen'das Vordringen der Epidemieen einen Riegel vörschiebcn gelernt hat, haben diese Seuchen in den civilisierten Ländern nie mehr in der grauenerregenden Weise wie ehedem 'um sich zu greifen vermocht. Der öffentlichen Hygiene steht nun, wie gesagt, die persönliche gegenüber. Selbst in den unkultivierten Ländern kann der Metksch durch persönliche Hygiene sich gesünder als die unsaubere niedere Bevölkerung halten; fo finden wir. z. B. in orientalischen Ländern ohne Kultur und Civilisation, wo es an allen hygienischen Einrichtungen mangelt, die .niederen Volksschichten von gewiffen Krankheiten in weit höherem Maße befallen, als die höherstehenden, reicheren oder gebildeteren. Oft aber ist auch dieser Unterschied nicht zu bemerken, und der Erfolg eines hygienisch einwandfreien Verhaltens ist'ganz in Frage gestellt, weil all die kleine» Vorteile vör den schweren Gefahren, von denen die Allgemeinheit bedroht ist, besonders vor den schweren Volksseuchen ganz verschwinden. In weit höheren, Grade und mit weit befferen Erfolg kann sich in unseren Breiten, wo die schwersten Gefahren für die. Allgemeinheit durch die öffentliche Hygiene abgewehrt sind, die persönliche Hygiene betätigen. Was nützt dem vernünftig lebenden Menschen der Vorteil, den ihm eine hygienische Lebensweise bringt, wenn er in

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