Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Volksbote · 1908-10-01 · 1 (10.1908) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1908
Issue
1 (10.1908)
Date
1908-10-01
Page
Seite 12 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4903180-5965933-5965949--026-4903201
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

12 bei all deinen Leiden von den weisesten und erfahrensten Aerzten beraten wirst. Nur im Vollgeunß der Gesundheit wirft du wahrhaft glücklich werden. »Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper!" Wenn dein Geist sich reich und schön entfalten soll, wenn du Freude am Dasein empfinden und in froher Zufriedenheit an deinem Tagewerk schaffen willst, so sorge dafür, daß dir das kostbare Gut die Gesundheit erhallen bleibe. Betrachte es als eine Sünde, mit deinem Körper aus Unachtsamkeit, aus Gewinnsucht oder gar aus Geringschätzung körperlicher Vorzüge so zu wirtschaften, daß du ihn schwächst, entstellst oder vorzeitig abnutzest, anstatt ihn zu pflegen und zu bilden, bis er den höchsten Grad der Entwickelung und Schönheit erreicht, deffen er fähig ist. Je gesünder du bist, umso leichter wirst du als ein nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft deine Fähigkeiten nutzes können; je anfälliger und schwächer aber, je weniger widerstandsfähig du bist, umso weniger Freude wirst d» an dir selbst finden, ja du wirst gar allzu oft und allzu früh deiner Umgebung zur Last fallen. Von jeher war es das Bestreben der Weisen und Heilkundigen, einen Schatz von Regeln zu sammeln, deren Befolgung dem Menschen die Sicherung der Gesundheit verbürgen sollte. Da haben sich manche Lehren herausgebildet, die das Ergebnis jahrhunderte- und jahrtausende langer Erfahrung sind und sich längst bewährt hatten, bevor es der Wissenschaft gelang, sie zu begründen. Andererseits aber schoß auch der Aberglauben ins Kraut, und so entwickelten sich hygienische Anschauungen, die, jahrhunderte lang geschätzt und gehütet, erst in jüngster Zeit als Produkte abergläubischen Wahns entlarvt wurden. Die Lehre von der Gesundheitspflege, die Hygiene, ist eine noch junge Wissenschaft, die aber in den letzten Jahrzehnten einen großen Aufschwung genommen hat. Mit dem ganzen Rüstzeug der Naturwissenschaft versehen, hat sie unter dem großen hygienischen Bolksschatz frü- , herer Zeiten gründlich Musterung gehalten, manches hochgeschätzte Mittel, manche Warnung und Empfehluug verworfen, manches längst außer Mode gekommene zu neuen Ehren erhoben. Namentlich nachdem man erkannt hat, daß eine große Anzahl von Krankheiten, besonders die mit Fieber verbundenen, durch kleinste pflanzliche Wesen, die Bakterien, hervorgerufen werden, die, auf den Menschen übertragen, sich im Körper ins Ungemessene vermehren und dort krankmachende Stoffe Hervorbringen, hat die Hygiene in der Bekämpfung dieser Krankheiten und in der Verhinderung ihrer weiteren Ausbreitung wahre Triuuiphe gefeiert. Viele der großen Volkskrankheiten, die früher Jahre lang an einzelnen Herden gewütet haben, sind gänzlich oder fast gänzlich auSgerottet, andere werden, wenn sie an einem Punkte auftreten, auf diesen Herd beschränkt und. auch hier rasch erstickt. In Städten, in denen einst ständig der Typhus herrschte, ist diese Krankheit heute eine Seltenheit geworden, und während im Mittelalter der »schwarze Tod" ungezählte Millionen in Europa dahinraffte, dringt heute die Choleraepidemie, sofern sie heute noch in Westeuropa auftritt, nur selten über einen kleinen Umkreis des Herdes hinaus. All diese vorbeugenden Maßregeln konnten nie von einzelnen Personen, nie durch peinliche Hygiene getroffen werden. An verpesteten Orten wird

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.