Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 3/4 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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48 den anderen di:eg׳:n - die Uebvcinstimmung der Erkenntnis mit der unmittelbaren Erkenntnis der Vernunft -- empinichc Wahrheit. Wir können nur die empirische Wahrheit einer Erkenntnis prüfen, nicht aber ihre trans/en dentale Wahrheit Mit dieser Unterscheidung haben wir aber bereits den Kern des Unterschiedes zwischen Religion und Wissenschaft berührt. (Fortsetzung folgt) CSSD ״Aron“ Nur Moses vergaß sich bei den Haderwassern. Nur Moses rief: .Höret doch, ihr Widerspenstigen '* Nur Moses erhob den Stab zum Schlage auf den Felsen. Aber auch Aron wurde bestraft. Aber auch Aron mußte frühzeitig sterben und durfte das Volk nicht in das verheißene Land führen. Warum / Was hat Aron verschuldet? Wir Armseligen, bei aller Kultur, philosophischer Geistesbildung, zivilisatorischer Fortgeschrittenheit so elend kleinen und bedauernswerten Menschen des IW. Jahrhunderts können uns unmöglich in die seelische Ver* fassung von Menschen hineinversetzen, die gleich Moses und Aron von Gott seines persönlichen Umgangs gewürdigt wurden. Aber das sollen wir 1a auch gar nicht Das Gotteswort stellt uns die Beiden als Menschen vor, als erdgehorene und zu Staub zerfallende Menschen mit menschlichen Tugenden und menschlichen Fehlern Darum ist es auch keine Entweihung ihrer hehren Größe, wenn wir ihr Charakterbild in die Gegenwart proji* zieren und aus den Zügen dieses Bildes einzelne Linien herausgreifen, um sie für eine belehrende, kritische Gegenwartszeichnung zu verwenden. Wenn heute irgendwo in einer jüdischen Gemeinde ein neuer Rabbiner seinem neuen Wirkungskreise sich vorstellt, dann pflegt er sich seiner Gemeinde nicht als auferstandencr Moses, sondern als auferstandener Aron vorzustellen. Schon mit Rücksicht auf die Frauensynagoge, die es schon bei der Antrittspredigt heraus hat, ob der neue Rabbiner ein zweiter Moses oder ein zweiter Aron ist. Denn ob nun die liberalen Rabbiner daran schuld sind, die das Talmudwort von der Friedensliebe Arons im Gegensatz zur strengen Gesetzeshut Moses förmlich zu Tod gestritten haben, oder ob sich wirklich seit Moses' ifhd Arons Tagen auf ganz legalem Wege dieser seltsame Cnaraktergegensatz in Israels Phantasie eingenistet hat, in ledern Falle steht cs fest, daß besonders die Damen einen feinen Instinkt dafür haben ob cm neuer Rabbiner mehr ״Moses oder mehr Aron", mehr orthodox oder mehr konservativ, tolerant oder Intollerant, fanatisch oder gemäßigt, fromm oder nett ist. Der Typus des netten Rabbiners ist typisch für unsere ganze jüdische Gegenwart Ich selbst habe einmal mit eigenen Ohren gehört, wie ein sehr ernst genommener Zeit- und Gesinnungsgenosse sich nicht entblödete, einen lebenden Rabbiner als .goldig* zu bezeichnen Bei Rabbinern dürfte Goldigkeit wohl den höchsten Grad von Nettheit ausdrücken. Hat nun dieser T)pus des netten Rabbinet - ein Recht, sieh für seine Nettheit auf Aron zu berufen *