Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 3/4 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
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- 47 - Ohne diese Behauptung zu bestreiten, könnte nun ein Skeptiker c׳n. wenden, unsere Vernunft bevlze zwar tr.u1.c!1u!e1 wahre Erker.»;!!::-•e. •ber sie enthielte auch Widersprüche und zu diesen gehöre auch der Qegensatz zwischen relgiöser und wissenschaftlicher Weltanschauung Demgegenüber ist zunächst zu bemerken, daß dieser Ein wand völlig willkürlich ist: ob er zutrifft oder nicht, laßt sich nur duich eine Vorurteil•• freie Selbstbeobachtung der Vernunft ent.-.־beiden, ein Verfahren, welche» Fries in seiner Kritik der Vernunft lehrt und welches tatsächlich zu dem entgegengesetzten Resultate führte Für uns ist es wichtig festzuhaltcn, daß wir nicht davon au»g1hcn dürfen, an der Wahrheit überhaupt zu zweifeln, daß vielmehr jeder Dirk ätigkeit als solcher das feste Selbstvertrauen der Vernunft zu-ihrer Wahrhaftigkeit als erste notwendige Voraussetzung zugrunde liegt. Jeder Mensch, der nicht durch eine künstliche Spekulation an dem gesunden Gebrauch seiner Vernunft irre gemacht ist, ist von der objektiven Gült-gkeit seiner Erkenntnis, d. h. von der Existenz der erkannten Gegenstände überzeugt. Es ist dies eine unumstößliche Tatsache der inneren Erfahrurg Sie läßt sich weder anzweifeln, noch auch näher erklären für jemand, der weiß, worin das Erklären besteht und ws» für Erkenntnisse s!ch überhaupt erklären lassen lassen. Erklären muß man vielmehr die Möglichkeit des Irrtums. Dieser entseht dadurch, daß die Mehrzahl unserer Erkennte «se nicht unmittelbar aus der selbsttätigen Vernunft entsprungen, »ordern mittelbare Produkte der Reflexion sind. Reflexion i«t die Fähigkeit. ‘ ch einer Erkenntnis wieder bewußt zu werden, d. h. daß die Vernunft s.ch derjenigen ihrer eigenen Erkenntnisse, die dunkel latent, im Gedächtnis ruhen, mittelbar wieder bewußt werden kann. Die Willkürlichkeit, m t der die Reflexion bei dieser Wiederholung der in der Vernunft schon er.thaltenen Erkcnntni-se vorgeht, ist der eigentliche Grund für die Möglichkeit des Irrtums. Eine unmittelbare Erkenntnis als solche 1»t sicher wahr, und es kommt nur immer darauf an festzustellen, ob eine bestimmte F.r kenntnis eine mittelbire. a'»0 der Möglichkeit des Irrtums unterworfene oder eine unmittelbare, also wahre, Erkenntnis ist. Ist nämlich eine F.r kenntnis mittelbar, so ist sie nur dann wahr, wenn »ie mit den unmittelbaren Erkenntnissen der Vernunft übereinstimmt. In dieser Inneren l'ebereinstimmung der Erkenntnisse untereinander haben wir ein sicheret Kriterium, um Irrtum von W'ahrheit z^i unterscheiden, so schw er g es auch im e'nzelnen Falle sein mag. dieses Kr ter.um auch w rkl ch anzu wenden Anders steht cs nun, wenn man die Wahrheit r cht dem!־•rtiim ertgegensetzt sordern die Forderung stellt, daß die F.rkenntr < rt dir: Gegenstände, auf den ne >!cb bezieht, übtrunsi mmen solle. Fs st dies eine andere Idee, die man sich vori der Wehrhe t b Iden kann aber es ist eben auch nur eine Idee. Ein Kriterium für die Wahrhet in diesen Sinne ist einfach unmöglich Denn um zu prüfen, ob eine fvkrrr.tr s r׳ t ihrem Gegenstand übereinstimmt, müßte iih d e Möglichkeit haher. :: s meiner F.rkenntriswcisegewi»«crm.1Cen In raii'/ctretcn, um mt reFrkirrtr mit dem betreffenden Gcgenstnr.de zu vergleichen, was offenbar n cht ,in geht Fries nennt diesen Begriff der Wahrheit - die liebere 1«״ rmt:rg der Erkenntnis mit ihrem Gegenstände die transzendentale W״hrh!