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Jüdische Monatshefte · 1921-01-01 · 3/4 (1921) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
8 (1921)
Issue
3/4 (1921)
Date
1921-01-01
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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46 Gluck hatte. Hörer der Frankfurter Jewchtwoh zu »ein, hörte ich häufig von dem verehrten Leiter ׳ו: derselben bei der Behandlung talmuisrhcr Probleme, mment ich bei besonders schwierigen logischen Widersprüchen, die L’eberzeugung ausprechen. daß derartige logische Widersprüche niemals durch schwächliche Antworten überbrückt werden dürfen, daß man sich nicht mit Kompromissen begnügen dürfe, sondern daß die Schwierigkeit erst dann als wirklich beseitigt gelten darf, wenn man de ו Nachweis erbracht hat. daß die Frage überhaupt gar keine Berechtigung hat, daß sie »ich, um mit seinen Worten zu sprechen, .gar nicht anfange*. Und mit welcher Virtuosität er gerade die allerschwierigsten Fragen in dieser Weise löste, daran werden sich die meisten seiner Jünger mit Freude erinnern, die sich ein dankbares Gedächtnis für die ihm eigene Lehrmethode bewahrt haben. Erst später bin ich zur L'eberzeugung gelangt, daß es eigentlich bei allen Schwierigkeiten, bei allen logischen Widersprüchen darauf an• komme, nachzuweisen, daß die Schwierigkeiten überhaupt daherrühren, weil man zu bequem ist, die Widersprüche bis auf ihren Ursprung zu verfolgen und dort bei dem Ursprung den Hebel zur Lösung anzusetren. Den Weg zur Versöhnung der beiden Weltanschauungen gewiesen zu haben, ist das Verdienst Kants Wenn aber der Friede doch nicht hergestellt ist, so liegt es an einzelnen Fehlern und Widersprüchen Kants. Auch verschiedene der Nachfolger Kants haben den Widerstreit zu lösen versucht. Eine der interessantesten Lösungsversuche ist die von Fries1 eines Schülers Kant•«, der in seinem Werke: .Wissen, Glaube und Ahndung* den Widerstreit folgendermaßen zu lösen versucht Er behauptet, der Widerstreit zwischen Wissenschaft und RePgion sei nur ein scheinbarer, nicht im Wesen unserer Vernunft wurzelnder. Wie nun aber, wenn er wirklich in der Organisation unserer Vernunft seinen Ursprung hätte' l iegt nicht der Gedanke nahe, daß einem solchen si.h durch Jahrhunderte fortpfianzendcn geistigen Kampfe vielleicht ein innerer Widerspruch in der menschlichen Vernunft zugrunde liegt, daß möglicherweise der mensch• liehe Geist überhaupt voller Widersprüche ist, und daß es daher keinen Zweck hat, über Meinungsverschiedenheiten solcher Art zu streiten. Wa» ist Wahrheit und Irrtum? Kann unsere Vernunft überhaupt Anspruch darauf erheben, wahre Erkenntnis zu besitzen? Der absolute Skeptizismus verneint bekanntlich die letzte Frage, er lehrt, daß all unsere Erkenntnisse irrig seien, und alles ist eitel Trug und Schein Es liegt aber auf der Hand, wie dies schon un/.lhligemal betont wurde, daß dieser Skeptizismus sich selbst widerlegt Wenn alle unsere Erkenntnisse irrig sind, wer bürgt dann dem Skeptiker dafür, daß gerade seine Aussage über die L'ntauglichkcit seiner Vernunft für jede wahre Erkenntnis wahr ist3 Wollte er konsequent sein, so müßte er aufhören zu denken und zu urteilen. Ja noch mehr Die Möghchkeit des Zwcife'ns setzt schon die L'eberzeugung voraus, daß cs irgend eine Wahrheit fürunsgiebt Der Zweifel ist überall da berechtigt, wo er ein AuLchicbcn des Urteils bedeutet, wo .er. eine Erkenntnis auf ihre Gültigkeit hin prüft, ein Urteil bezweifeln bedeutet nämlich «•me Ungewißheit* ob cs wahr oder irrig ist, wobei die Zuversicht auf eine Wahrheit •chon zugrunde liegt, wie ich dies näher beleuchten werde.

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