Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 3/4 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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42 selbst im »״״»•nannten Mittelalter, da» seit je als Maßstab alle» Menschheitsfortsihrittcs galt, nicht ihresgleichen hatte,׳ So entstand die Sehnsucht nach Aufrichtung einer hohen Scheidewand zwischen jüdischer und nichtjüdischer Welt. Heraus aus einer Welt, in der nur die Geister der Niedertracht und Verderbnis triumphieren, und hinein in eine Welt, die von Gott beherrscht und von Gott suchenden, ja, von Gott erfüllten Menschen bevOlkert ist' Das war die Losung, mit welcher müde Seefahrer das Schiff, in dem sie einst die Welt umsegelt hatten, in die Fluten stießen und die Insel der Seligen betraten. Wir haben allen Grund, die Liebe zur Thora, wo und wie immer sie sich zeigt, freudigst und dankbarst zu begrüßen Es gibt nichts höheres, nichts schöneres, nichts heiligeres, als sein ganzes Leben dem Studium der Thora zu weihen. Ja, dieses unentwegte, liebevolle Sichversenkcn und Versinken in die wundervollen Tiefen des Gotteswortes kann und muß geradezu als d!e Grundmauer des jüdischen Heiligtums, als die erste und wichtigste Vorhedingurg unse'er geistigen Gesundheit und sittlichen Wohlfahrt bezeichnet werden Es fragt sich nur, ob diese restlose Einkehr zum .Lernen* und wildtrot/ige Abkehr von allem, was eben nicht .Lernen* ist, auf dem Wege einer natürlichen und gesunden Entwicklung \ erläuft, ob hier nicht die gewaltsame Umsetzung eines Ideals in die Wirklichkeit vorliegt, ob hinter dieser geistigen Neuorientierung unserer Besten nicht gewisse Gefuh'en lauern, die es rechtzeitig zu erkennen und zu bannen gilt. Letzten Endes lauft unsc־ Problem auf die Frage hinaus, ob der vielbesprochene Gegensatz zwischen Ost und West tatsächlich vorhanden und ob er etwa dadurch zu beseitigen ist, daß wir uns bemühen, die jüdischen Formen und Methoden des Osten» in den Westen zu verpflanzen. Bei der Beantwortung dieser Frage müssen wir zunüchst den Gedanken festhalten, daß w'r zu dem, was wir werden, nicht werden, weil wir wollen, sondern weil wir müssen. Das ist kein fatalistischer Gedanke. Fatalismus ist's, aus der Geschichte unseres Werdens die freie F.nt- Schließung eines persönlichen Gottes auszuschaltcn. Doch es bedeutet fürwahr weder eine Ablehnung göttlicher Geschichtswaltung noch eine Leugnung ernstlicher Vcrantwortungspflicht, wenn wir sagen, daß alles, was wird und ist, von Gott so gefügt und zugelassen werde und daß wir uns demzufolge sehr in Acht zu nehmen haben, über geschichtliche Ent- Wicklungen ein zornig verurteilendes Wort zu sprechen, ehe wir uns völlig darüber im Klaren sind, ob wir es hierbei mit einem Sieg des Guten oder Bösen zu tun haben Es war der Gott der Geschichte, der uns deutsche Juden schon vor hundert und mehr Jahren nulten in den reißenden Strom der Weltkultur hineingestellt hut Wir luben darum schon früh darnach trachten müssen un», •o gut cs ging, aufrecht zu erhalten Hierbei mußten wir uns um* schauen, wo wir stehen und uns vor ollem vor der gefährlichen Einbildung hüten als befanden wir יחוו. von stürmischen Fluten umtost, im friedlichen Schoße c ne» ruhigen, sichert 11 Halen», den Gefahren!eder feindlichen Brandung entrückt Seitdem• hat »uh unser Blick daran gewöhnt, möglichst weite Blickr.iume zu 11mfn,sen und alb•- was in der Thora steht, irgendwie in einem 7.u*an1ru nliang mit dun unendlichen Gesichtsfelde Gotte*, des Schöpfers eben dieser Tho»a, zu tr ngen Wir können den Satz .Im An-