Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 3/4 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4900572-5964870-5964982--2666-4903160- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
35 Höherem als Genuß fuhl>t Ju dich ge!>chuffen. Tätigkeit de.ne Aufgabe - BlUtenduft, Domenstachcl sind dir das Höchste nicht. s!nd dir nur Er- Ziehung von deinem Hirten. Ein Unglück kennst du nur — deine Lebens• aufgabe verkannt oder nicht erfüllt zu haben; weißt du von dieser Schuld dich frei — hast du nichts als Freude! Freude, schönste, reinste Freude das Bewußtsein, das Gefühl der Tätigkeit, das Bewußtßein, das Gefühl, vor einem allschauendcn, allwaltenden Auge zu wirken, und Mitdiener zu sein im großen Chor der Gottheit Diener. — Vergängliches fesselt dich nicht. Du wirst alle Gaben und Güter, die dir verliehen, so lange sic dir gestattet, benutzen nach Möglichkeit und Kraft, benutzen, damit den Zweck deines Schöpfers zu erfüllen, denn dazu wurden sie dir, aber BlUtenduft wird dich nicht berauschen, Blütenwelken uud Dornenstich dich nicht mitwelken und sterben lassen; Glück wird dich nicht übermütig, Glückswecbsel und Unglück dich nicht niederschlagen Denn wie sollte es auch? Waren dir die Lebensgaben in Ucberfluß auch alle zugeteilt, freutest dich der stärksten Gesundheit, freud g fühlt dein Gemüt für Schönes und Erhabenes, mit Lichtesklarheit dein Geist ausgestattet, und was dein Geist erdacht, dein Gemüt erwünscht, dir ist an Geld und Gut, an allem äußeren Besitz die Fülle, es hat das Leben auch den schönen Bund in Lieb und Freundschaft dir geknüpft, und Achtung, Ehr und Ruhm zollen dankbar deine Brüder dir — erheben wird dich's nicht, zum Genuß wird dir keines von allen Gütern, mit jeder neuen Qabe siehst du nur neue Möglichkeit zum Wirken und neue Pflicht zum Wirken — je höher du steigst, je bescheidener wirst du sein, denn je größere, weitere Aufgabe wird deinen Fähigkeiten, und du tust dir schwerlich selbst genug; י׳ יע־ יא א־:־* בגע־־ן דשא •רג,*:־ על ם• שנוחיש •גהיג• tönt deine bescheidene Leier: Er dir Hirte, Er dir Führer, Er, der dir die Blüten auf der Au gestreut, Uber alles dieses ist sein Wohlgefallen dir das Höchste, und dazu führt nicht Genuß — führt nur die Tat! Und welkte eine Flüte in deinem Lebenskranze, und welkten alle — schwänden Gesundheit hin und Kraft, schwände Geistes und Gemütes Klarheit, fließt dir trübe die Quelle deiner Nahrung, du warst reich — du bist's nicht mehr! ist der Freund, die Freundin, all die Teueren alle von der Seite dir hinweggerufen, die dir den Lebensweg verschönten, verkennt man gar dein Wirken, deine Tat, lebt dir statt Liebe, Achtung, Dank — Verachtung selbst und Hohn und Undank in deines Bruders Gemüt, und stehest du da verwaist im Leben, abgestreift alles, was Menschen Leben«- gut nennen, arm an Gesundheit, arm an jeglichem Besitz, arm an Menschen Freundschaft, Achtung. Dank — doch' doch! tönt dem Harfenlied: ¬־:־:• בשעני• צ-ק *ם«ן שש ::r נשש־' Führet, irr ich, mich zurück, führet den Pfad gerechten Leben«, führet mich seines Namens wegen’ Du legst die Hand auf die Brust, forschst, ob du m.ßbraucht etwa Himmelsgut, habst im Glück nicht ganz gelöst deine Aufgabe, vielleicht abgeschweift vom gerechten Wege, und findest du'• — so ist » Erziehung dir, und eine Träne des Danke! weint dein Auge Ihm, dem Hirten dein!» Lebens, daß er zurecht dich weist, dich wieder führet gerechte Wege . — und findest du's nicht, «0 ist•« Prüfung dir' Bescheiden hui'«t du dich in dein Bewußtsein ein; - w'nkst weich und freundlich dein Vaturutige d.1« dich schaut, winkst, daß du ihn begreifst, und siehst im Unglück neue Auf-