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Jüdische Monatshefte · 1921-01-01 · 3/4 (1921) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
8 (1921)
Issue
3/4 (1921)
Date
1921-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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31 aber kühner und fester faßte ich unser Leben ins Auge, und ach' da ge• wahrte ich’s — es sind nicht nur einzelne Schwachen und Makel, die uns zurllckhalten: der ganze Wurf unseres Lebens liegt nicht duhin, wohin diese Stufen uns geleiten möchten, unser ganzes Leben führet nicht aufw&rts, darum gelangen wir überhaupt nur bis an die Stufe, die aufwärts führt. Freude, Leid, Ueberfluß, Mangel - das sind die Steine, nach denen wir unser Tun abwügen, heitere und traurige Empfindungen und die Mittel, die dazu fuhren, das ist's, was wir erjagen, das, was wir fliehet; aber mit dieser Ansicht vom Leben, wo wir nur Kampf um üußerc Guterkennen, um Güter, die nie beständig, jeden Augenblick sich unserem Griff entwinden, mit dieser Ansicht gibt's keinen Raum für den Gedanken, der zum Lebenszion führt, gibt's keine Statte für den Geist, der in die Harfensaiten webte. Darum, ehe wir die Stufen hinanklimmen, muß erst urscre ganz Ansicht des Lebens eine andere werden, und dazu, 0 wie glücklich ich wenn dazu mein heutiges Wort — mehr a's Wort sein möchte, mehr als verhallender Hauch, wirklich Gemüter ergriffe, wirklich Geister erleuchtete — verleiht der Herr die Kraft mir, wird’s, ja dann wird’«! t Treten wir für's erste heute nur einmal ein in den Hain der hinge schiedenen Sänger, töne uns in ausgestorbene Brust nur eines ihrer Lebenslieder; vielleicht schlummert noch so viel Lebenskraft auch im toten Buchstaben, daß er mächtig auch uns faßt, uns schönere, beseligendere Lebensansicht bringe — mindestens uns zeige, daß es andere Lebensansicht noch gebe und dort glücklicher, freudig heiterer man lebt. — Horch' Davids Leier tönt: זרזסר kS — ה׳ יעי ״Gott mir Hirt, mir fehlet nichts!" Auf reichen Fluren läßt er mich ruhen, Führt mich an Erquickungsquell; Führt mich, irr ich auch zurück, Führt den Pfad gerechten Lebens, Führt mich seines Namens wegen; — Wandte ich im Todestale, Fürcht ich nichts; Du bist ja bei mir! Dein Stab, Deine Stütze, sic trösten mich. Wer ist's, meine Brüder, dem's der Hirtenjüngling noch zu singen vermöchte, dies Lied in sein Leben? *ר׳ •ע• לא א־ש, wer sänge es noch aus voller Brust, himmlische Tränen im Auge: ״Gott mir ja Hirte, mir kann nichts fehlen!“ Wer ist's, dem das Leben genügte, wer, der nicht mehr Ansprüche machte, als ihm das Leben gewährt? Wer der recht klar gedächte all der Liebe, all der Güte, die der Himmel ihm gezollt und h:nträte und dankend zum Vater spräche :5:•1 יל:די T:־rp, ״bin zu gering für all die Liebe?׳‘ Wer aber ist's denn nicht, dem diese Ruhelosigkeit nicht eignete, dieser ewige, nimmer zu stillende Durst rach mehr an äußeren Gütern, nicht hineinstlirzte in ein Meer von Kämpfen, daß er gar bald sich selber entweihte und das [.eben, das gewährte, dus gestaltete, nicht knrn genießen, einem Schatten nachjagtc-n — selber nur Schatten geworden? ״ \א א“0יMir fehlt, mir kann nichts fehlen'" Das spricht ke ner' l’n-1 warum? weil keine׳ aus vollem, innigem, lebendigem Gefühl mehr spricht So bereitest Du mir das Mahl, Selbst während Feinde drängen, Stets mein Haupt mit Del gesalbt. Mein Becher stets gefüllt. So folgt nur gut und Liebe mir Die Tage meines Lebens all. So weil ich stets in Gottes Haus, So lang mein Leben dauert. — ״Gott mir Hirt, mir fehlet nichts!"

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