Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 3/4 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Bei der Abstimmung beschiel! der Landtag mit der grüßten Majorität י• (durch Aufstehen) den obigen Antrag des Dep Trawnicrek 711 verwerfen. (S. 124) J. Br. ״Gott mir Hirt, mir fehlet nichts!“•) An Babels Strömen dort saßen unsere Väter und weinten auch, dort an Cypressenweiden hingen sie ihre Gottesharfen auf und sangen nicht mehr Zionslieder auf der Fremden Boden. Dort im Lande der Entartung verhallten die Töne, die der schauenden Väter Lebensworte in der Brüder Gemüt einsangen — an Babels Strömen saßen sie — und weinten! Der Leier Saiten s nd zerrissen - die Töne erstorben — der beredte Mund verdummt, aber der Geist, der in ihren Worten lebte, ab'er der Geist, der ihre Herzen beseelte, — er tönt Uber ihre Gräber noch h'nüber zu uns ihren späten Enkeln, aus den Gesängen, die unsere Schriften uns bewahrten Diese Schriften, sie sind das Erbgut, das einzige, das wir hinausretteten, als hinter uns das hehre Gebäude unseres völkertümlichen Lebens in Schutt und Ruin zusammensark — dieser Geist, er ist's allein, der unsere zerstreuten Glieder noch beleben kann und erhalten soll: er wird einst herantreten und zeugen wider uns, wider unsere Söhne und Töchter, wider unsere Enkel und Enkelinnen, wenn unser und ihr Leben keifte Spur null ז aufweisen sollte von ihm, dem Geist, der durch unser Väter Leben hauchte. An Babels Strömen weilen wir nicht mehr, die Harfe ist schon längst unseren Händen entwunden aber wenn, statt aus unserem Leben selbst einen Gottestempel zu erbauen, in dem der Heilige throne, anstatt jenen Geist in uns aufzunehmen, auf daß er uns belebe, hinzuwallen nach diesem Lebenstempel, wir in uns selbst ein Babel uns erbauen — und hinausbannen allen Geist des Lebens, wenn wir mit den Fremden vereint hinknien und Holz und Stein verehren — Geld *und Gut unser Abgott Baal, reichliches, bequemes Leben unser Bethel, dahin unser aller Augen gerichtet — und wenn das, das einzigcerreicht, dann alles,alles wir errungen dünken — ach! dann ist, wie längst schon der Ton. nun auch der Geist entflogen, und bitterschmerzlich rächt sich dieser Wahn. Aus Leblosem geknüpft, gehen wir das Schicksal des Leblosen Genusses Taumel oder Dürftigkeitsjammer sind die Farben unseres Lebens — Rausch oder Kummer verflüchtiget unser Gemüt oder engt es zusammen — in Beiden kann kein Stufengesang tönen, der uns die Tempelstufen geleite. Wir hatten begonnen, meine Freunde, von den zehn Lebensstufen die erste zu ersteigen, in Worten zu ersteigen; in Worten — im Leben — ich darf es kühn wohl sagen im Leben nicht! Aber warum nicht im Leben? Warum muß an dieser Stätte das Wort verhallen, und für's Leben nicht gesprochen sein ׳׳ Warum lehlts noch immer am ernsten, rüstigen Willen, mit Kraft und Mut der erkannten Bestimmung zuzueilen, warum so wenig Streben Jragc ich mich, so fragte ich mich, als ich heute diese Stätte wiederum betrat, Ich dachte an Trägheit, an Gleichgültigkeit — •) Klne l’rr.ligt .ms R 1111111׳•! II N*t hl 10 יו •צ י יין ■* 1 י*1'״t Au* «lern h.uul«« liriftln In o