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Jüdische Monatshefte · 1921-01-01 · 1/2 (1921) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
8 (1921)
Issue
1/2 (1921)
Date
1921-01-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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17 hergibt iini die Zeitgenoss״■nsclt ift so uid d >rth:n lenkt, wie und wohin sie selber gelenkt sein will. F.tn salcbe•» Organ war II •rovltz Vorn Au י• tritt wol'te er nicht % wissen Den Ausritt bekämpfte tr; aber icht a.:f Grund irgeniwe'cher ha'acliis.her U'cbcrlegi:׳,״ Horovitz hat nie v! r sucht, die von Hi'desheimer als unwidetl.•glich anerkannte Aus'ritts H ilucha Kitschs schließlich doch tu widerlegen - sondern e'nfach deshalb, weil der Austrit: von Haus aus eine höchst unpopuläre Sache war und es ihm höchst unvernünftig vorkam, aus doktrinären Gründen die praktischen F.rfolge preiszugeben, die sich bei einigermaßen gutem Wi'len hüben und drüben durch das Verbleiben der Orthodoxie im SchoBe der Reform•- gemeinden gewinnen ließen. Man muß doch nicht alles so tragisch nehmen' Man muß doch nicht fortwährend von דיג ב und :•:'אסירי reden' Wozu hat man denn deutsch gelernt, wenn man nicht ebenso gut, ja noch viel besser von ,unseren andersjenkenden Brüdern“ reden könnte! F.s ist alles nur halb so schlimm. Nur ruhig Blut, und es mucht sich s.chon alles von selbst! — Also sprach Marcus Horovifz, der ein großer Diplomat, aber ein sehr kleiner Prophet gewesen Da schlagen sich die Leute herum und verstehen nicht, wieso es kam, daß Hildesheimer, der in der Austrittssache stets mit Hirsch zusammen• gearbeitet hatte, von 1S78 ab, in welchem Jahre die orthodoxe Filiale der Frankfurter Reformgemeinde errichtet wurde, immer mehr und mehr in den Einflußbereich seines Eisenstädter Schülers Marcus Horovitz geriet Horovitz, der ein getreues Org&n des jüdischen Zeitbewußtseins war, konnte es nicht schwer fallen, Hildesheimer die L'ebermacht dieses Zeitbewußtseins fühlen zu lassen, zumal als in den achtziger Jahren die antisemitische Bewegurg den Austrittsgedanki n noch unpopulärer machte, als er schon ohnehin war. Wäre der Austritlsgedanke bei Hildesheimer aus originaler Schöpferkraft gleichsam als Endergebnis einer sein ganzes Leben beherrschenden Idee hervorgegangen, wie dieser Gedanke bei Hirsch sein ganzes Lebenswerk krönte, dann wäre es Horovitz niemals gelungen, seinen großen Lehrer mit der ,Verewigung des :/•4•יי דr“, wie Hildesheimer anfargs das Auf■ treten seines Schülers bezeichnet^ als eit er unabänderlichen Tat־;!che allmählich auszusühnen. In Wirklichkeit war aber Hildesheimer in seiner gemeindepolitischen Auseinandersetzung mit dem Reform! identum von einen tiefen Bediirfris der Anlehnung an das wirklich Seiende mehr als von di r Sehnsucht nach Verwirklichung des Seirsollenden erfüllt. Das hat *ich schon damals gezeigt, als Hildesheimer in llrgarn während der Kongreßzeit in einen tragischen Gegensatz zu dm tahbi1i«ch!n Grüßen d׳e*ts Landes geriet. Unter dem Einfluß Horovit/cn“, der schon in Ungarn d e Neologen des Kongre-sc* als .andersdenkende Bmler“ empfand, begannen die Nachwirkungen diese* Gegensatzes wieder ui f.’iileben, als die Ars■ trittsbewegurg in eine Plu»e geriet, wo sic nach der Meinurg des Publikums nicht aufbauend und reinigend, sondern i.ur zerMiWrd unJ der St re t \!1 ewigend wirkte. Dazu trat die Berliner Atmosphäre, oie in der Adas j -t ׳ riemals jenes pathetische Selbstbewußtem und 1111 ■ן tönenden Stolz n.f kommen ließ, wodurch sich su t je die Frunk'urtir Adas Jeschurtm \ 1 ihren maiierblümchenhafton Schwestern unter'Clned Und so bedarf es denn fürwahr keine» besonderen psychologischen Scharfsinns, um in dem Freund'cha'tsbunde zwischen H1lde*hc.1ncr ur.d Horov tz die Spuren J!י Menschlichen, Allzumenschlichen zu entdecken.

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