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Jüdische Monatshefte · 1921-01-01 · 1/2 (1921) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
8 (1921)
Issue
1/2 (1921)
Date
1921-01-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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16 Bild seiner Peinlichkeit einen anderen Zeitrahmen gar nicht vorstellen kdnnen Er war wirklich ein Kind seiner Zeit, aus deren Geist er das orthodoxe Judentum wie eise N'euschöpfung abzugewinnen und herauszu• holen wußte. Daher kam es auch, daß weite orthodoxe Kreise, die das Leben früherer Jahrhunderte auch im 19. in glücklicher Geruhsamkeit weiterlebten, sich mit ihm niemals so richtig zurechifanden, daß ein Fremde*, Neue■«, Unverstandene*, Unbegriffenes zwischen ihm und ihnen war und daß es ein Körnlein Wahrheit enthielt, wenn die — ,',Allgemeine Zeitung des Judentums" anläßlich der ICO. Wiederkehr seines Geburtstages Hirsch als eine tragische Persönlichkeit zeichnete,und von ihm sagte, daß die, die ihn verstanden, ihm nicht treu geblieben sind, und die, die ihm treu blieben, ihn nicht verstanden haben. Aus einem ganz anderen geistigen Klima erstand Hildesheimer. Auch im 16. Jahrhundert hätte sich Hildesheimer zu einem großen Thoragelchrten entwickelt. Ja, seine Thoragelchrsamkeit wäre im 16 Jahrhundert wohl noch umfassender gewesen, weil er zu jener Zeit sich wohl kaum mit Mathematik und Latein und mit der Septuaginta abgegeben hatte. Auch innerlich knüpfte er an das traditionell Gegebene an Sein orthodoxes Judentum war keine Schöpfung, die er dem Geiste seiner Zeit in heroischem Kampfe abzuringen brauchte, es war die natürliche Fortsetzung des Gewesenen, aus dessen Born es ihm. getragen von den Wellen einer unendlichen ":r את", zufh ß. Auch als Bekümpfer der Reform, auch in der Art seiner Reaktion auf die Abfallsbewegung seiner Zeit hatte er sich in nichts von den Größen früherer Zeiten untei schieden, deren Methoden er ohne jedes anachronistische Bedenken übernommen hätte, wäre er eben in dieser Hinsicht nicht ein begeisterter Jünger Hirsch s gewesen. Es ist wahrhaft rührend zu lesen, mit welcher Verehrung, mit welch innigen Worten Uberslrömender Begeisterung und Dankbarkeit Hildesheimer während des Austrittskampfes in seinen Briefen an Hirjch tu dem Urheber der Austritts-Halacha emporschaute. Kein Zweifel: das Neue, Originelle, Schöpferische daran überwältigte ihn. Deutlich empfand er es. wie hier ein überragender Geist mit dem feindlichen Riesen eines ganzen Zeitalters rang, wie hier ein von der Vorsehung gesandter und begnadeter Mensch in neuen Tönen das Hohelied von der Ewigkeit unserer alten Thora sang, und je heimischer Hildesheimer mit seinem umfassenden Wissen in den Hallen der Thora war, je wärmer und flammender sein weiches, gütiges Herz (dieses Herz war ja das Grüßte an ihmi allem Edlen und Erhabener, allem wahrhaft Jüdi-chen entgegenschlug, desto tiefer mochte er in jenen Tagen, als Hirsch den Höhepunkt seines geistigen Schaffens erklomm, dessen prophetischer Sendung sich bewußt geworden *ein. Nun aber erschien Marcus Horovitz auf dom Plan. Als Jüngling hatte er sich auf ungarischen Jescluboth fleißig umgetan und nebenbei auch profanes Wissen angetignet Prophetischen Geistes war er nicht, dafür aber ein selten kluger Kopf mit großen diplomatischen Talenten, wie geschaffen. d!׳r von Hirsch in Frankfurt arg v1rnachl,ixsigtt.n.-detaill!eru n Seelsorge sich liebevoll an/unehmen Prophetische Naturm wie Hirsch, die ihr geistiges (ieprü|»e der Zcitgeno>sen>ch.1ft aufzudrüngen suchen, sind immer unbequem und daher sehr leicht auszuschalten. wenn ein diplomatischer Kopf sich zum schmicg-amcn Organ des Zeitbewußtseins

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