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Jüdische Monatshefte · 1921-01-01 · 1/2 (1921) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
8 (1921)
Issue
1/2 (1921)
Date
1921-01-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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15 Zorn über die im Hl. Jahrhundert der Thora angetane Schmach er-tarden Ea ist wahrlich kein Zufall, daß der Vcrfas-cr der l't Briefe und des H>rcb und der Herausgeber des Jeschurun zuglcxh der jetzige Urheber des Au-• tritts und der Austritts-Halacha ist. Nur Einer, der das Schaffen und Wirken der Geiger, Haidheim, Phihppson usw. nicht mit den ruhigen Augen wissenschaftlicher Kr.tik, sondern mit dem zornigen Affekt eint«, weil es die Ehre der Thora galt, wie in seiner eigenen, persönlichen Ehre sich getroffen und verletzt fühlenden Wächters dieser Thora verfolgte, nur Jemand, der Jahrzehnte hindurch sich unausgesetzt mit dem Werke der Entlarvung des reformjüd1schen.LUgensystem$ befaßte, konnte dieses Werk mit der Forderung des Austritts aus den jüdischen Reformgemeinden, den organisatorischen Verkörperungen jenes Lügensystem», krönen. Und nur Einer, der von der proviJeniiellen Bedeuturg seines Systems und seiner .ק*לר so innig durchdrungen war, wie Hirsch, konnte cs im Bewußtsein der Sieghaftigkeit der von ihm vertretenen Wahrheit wagen, mit dem Ge• danken des Austritts die Fackel der Zwietracht in die jüdischen Gemeinden zu schleudern. Hirsch war eine prophetische Natur. Oie Idee der jüdischen Wahrheit war ihm Anfang und Ende seiner Lebensaufgabe,. Dieser Idee ordnete er altes unter, auch die Rücksicht auf etwaige Erfolge, die sich für die Propagierung dieser Idee aus einer etwas liebenswürdigeren Angleichung derselben an das, was der jüdische Ma-seninstinkt für gut und richtig hielt, hätten ergeben können. Er verschmähte darum auch die oft sehr dankbare Kleinarbeit des Commis voyageur, der mit seinem Musterkoffer von Haus zu Haus geht, um für's Judentum neue Kunden zu werben. So etwas lag ihm nicht Man mag es bedauern, daß Hirsch gerade auf dem Gebiete detaillierter Seelsorge keine größere Betriebsamkeit ent• faltete, daß er, ein echter Prophet, immer nur auf 's Ganze girg (Horovitz wäre nie nach Frankfurt gekommen, wäre Hirsch mehr Handlungsreisendtr als Prophet gewesen), man muß jedoch die Persönlichkeit dieses merkwürdigen Menschen als ein historisch Gegebenes und psychologisch Not• wendiges nehmen und sich fragen, ob der \'.orteil, den wir heute davon hätten, wenn Hirsch bestrebt gewesen und cs ihm gelungen wäre. d!e große Masse für sich zu gewinnen, den intensiven geizigen Gew.nn aufwöge, den wir ihm nur deshalb zu verdanken haben, weil eben seine ganze Wirksamkeit eine mehr prophetisch intensive als propagandistisch extensive war. Mit Hirsch's prophetischer Natur hängt es nun auch zusammen, daß in seinem Kampfe gegen das liberale Judentum sein Blick nicht an Einzelheiten und Zufälligkeiten haften blieb, daß er vielmehr das Kcformjudentum seiner Zeit nur als ein Kind unter vielen anderen in die große Abfalls■ bewegung historisch einordnete, welche die ganze jüdische Geschichte \!׳n Korach über Jerobeam bis Abrahum Geiger durchzieht. So grund'.ch wie er hat keiner seiner Ze tgenosscn dieses liberale Judentum biu. se.r.e Wurzeln zu erkennen und bloszutegen vermocht. Ja, seine ganze Persön• lichkeit und sein ge-amtes Wirken ist nur uls Reaktion auf diese Abfall-• bewegung zu verstehen. Es ist darum gar nicht so sicher, was aus Hirsch geworden wäre, hätte er 100 oder gar JOO Jahre früher das Licht der Welt erblickt. Er ist mit se nein ganzen Sinn und Tun aus dem Judentum des vorigen Jahrhunderts so natürlich herau-gewachsen, duü wir uns für das

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