Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 1/2 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4900572-5964870-5964981--2629-4903124- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
5 den Märkten des Lebens, erkennst Du ווו uns die Söhne des alttr-»rauen, «turmfesten Volkes wieder, findest Du die Besonnenheit, die Ruhe, die Stärke, den Mut, das Bewußtsein der Aufgaben wieder in nitt<*n des Schwankens und Taumels, in nitten der schreiend->ten, alle Stufen durchlaufenden Gegensätze, von dem betäubt im Schiffsraum schlummc'nden Schläfer bis zum angstgepeitschten Rasenden, der im Schrecken vermeint• liehen Schiffbruchs alles Uber Bord wirft und die den ganzen Wert der Lebenseise bedingenden tausendjährigen Güter ewiger Zukunft dein drohenden Meer der Zeitbrar.dung in vermeintlicher Lebensrettung w:!d zum Opfer beut. Und doch nur ת־עע־ן rr:t ,כע־בד und doch nur in dem besonnenen, wachen, ruhig festen Bewußtsein liegt unser Heil, wenn der Betäubte erwacht, der Rasende besonnen wird und beide in der Rückkehr sich begegnen, sind wir gerettet. Es gab eine Zeit, wo der Name Jude dem Juden das Höchste war, wo Jude sein in jedem Denken und Fühlen, in Worten und Taten, im Ge• nießen und Dulden, Jude sein in Wissenschaft.und Leben des Juden Höchstes war. Das war die Zeit, wo man nicht so viel sprach vom Judentum, nicht so viel prunkte mit dem Namen Jude, wo man aber dem Judentume mit jedem Amtenzuge opferte und für den Namen Jude willig den Scheiterhäufen bestieg. Es gibt eine Zeit, wo man viel, sehr viel spricht und schreibt vom Judentum, wo man viel, sehr viel Staat und Prunk mit dem Namen Jude macht, mit gerechtem Stolz der Opfertode der Ahnen gedenkt, aber selbst dem Judentume auch nicht die kleinste Leben -faser. auch nicht die leiseste Bequemlichkeit freudig opfern möchte. Und doch sollte der Name Jude der Zauber sein, der den Betäubten wecken, der den Rasenden zur Besonnenheit führen müßte. Du bist Jude, jüdischer Sohn des Jahrhunderts, bist und bleibst deiner Bestimmung nach Jude, und wenn du zehnmal diese Bestimmung ver• leugnetest, und wenn du zehnmal symbo isch diese Bestimmung abwüschest, und wenn du lebens'änglich in Tat dieser Bestimmung untreu lebtest, du bist und bleibst deiner Bestimm ing nach Jude, denn du bist als Jude geboren, eine mehr denn dreitausendjährige Vergangenheit ist deine Mutter, eine mehr als dreitausendjähiige Erbschaft ist deine Bestimmung, ihr kannst du dich nicht entschlagen. Und es ist Gott der dich diese Be- Stimmung erben ließ, der dich a's Sprosse an dem Stimm aufkeimen ließ, dessen Wurzel er vor Jahrtausenden gepflanzt, und du wolltest einen andern Bjden, als den Er deiner Wurzel bestimmt, wollte-t anderen Leben-- saft als den Er deinem Stamme spendet, wolltest in anderem deine Seligkeit als eben nur darin finden — welches Maß an Kräften dein Schöpfer dir auch zugemesscu, ai- Mn׳k als Rinde, als Ba-t, al< Zweig, als B att. als Kelch, als Blüte mit die große Bestimmung lö-en. mit d:e grüße Frucht reifen helfen, die Er von dem Baume erwartet — Es ist Gott, der dich diese Bestimmung erben ließ — und du wolltest dich ihr entsehlngen ׳ Jüdischer Sohn des Jahrhunderts, du bist JuJe' Und nur wenn du die Aufgabe dieses Namens begriffen, der Aufgabe d>-«' Namens garz gelebt, wenn nieht nur an den Toren deiner Leln-nsrcisr. eu״:!jt beim F. 1■ tritt uni einmal beim Austritt der Nani; Jude n deinen Leber«paß u-fzeichnet, a.ifg, lummeii. sondern in 11 jed .-m.Vugenbliik de.re-l.t b •r - 7.r gr - ablegst, duß du Jude bi-t, nur dann bast du gelebt