Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 11/12 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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die Körte zu setzen. Dos muhte einmal in oller Deutlichkeit gesagt fein und wir behaupten, es ftünde anders um uns, wenn lieh Jedermann dieses Mabes von Verantwortlichkeit stets bewubt geblieben wäre. Über Vergangenes zu klagen, ist freilich unangebracht. Das wenig Anmütende, zu rechten um die Frage, wer Recht gehabt hat, könnte endlich einmal von der Tagesordnung verfchwinden, aber umfo bedenklicher ist es, aus all diefen folgenfehweren Fehlern nun gar nichts für die Geftaltung der Zukunft lernen zu wollen. So sehr dürfte der Weg nicht verweht sein, dab auch feine letzten Spuren verwifcht find. Wenn es wirklieh nur gilt, der entfetzlichen Notlage zu begegnen, dann ist es ja fast ein Verbrechen, dieses Wollen durch den langwierigen Apparat von Wahlen ufw. zu verlangfamen und unter Umftänden zu hemmen, dann mübte h,ei ehrlichen Leuten alle politischen Nebenabsichten und alles parteifanatifche Streben aufhören, und es würde lieh furchtbar rächen, den Notfchrei zur Plattform eines Verfuches zu machen, der seine Wurzel in ganz anderen Dingen haf. Dann füllten vielmehr, das aber ungesäumt, die bereits tätigen Hilfsorganisationen fich zufammenfinden und wehe dem, der da glaubt, an dem Scheiterhaufen der Enterbten feine Suppe kochen zu dürfen. Wes uns dabei am meisten am Herzen liegt, ist die Erwägung, dab ein solcher Weltkongreb vielleichi definitiv den Fluch der sogen, religiösen Neutralität zum Programm der ganzen Judenheit machen würde und könnte. Man wird es sehr gut verstehen, dabei zweifeln wir bei der Intelligenz und Energie der arreligiösen Kreise nicht, diejenigen, welche für die Wahlen oder den Kongreb ein religiöfes Programm mitbringen würden, als die Kaltherzigen darzustellen, als diejenigen zu stigmatisieren, welche auch angelichts des furchtbaren Sterbens und Leidens im Wolkenkuckucksheim eines überirdifchrn Idealismus verharren. Man würde unter Umstanden wohl auch vor fchärferer Angriffsform nicht zurückfchrecken, und man würde dabei in sehr weiten Kreisen Gehör finden, denn die Ereignisse der jüngsten Jahrzehnte haben uns gelehrt, dab richtige Aufmachnng nach Barnum’fcher Art ihrer Wirkung ziemlich lieber fein kann. Wir hoffen, dab die Führer unferer Gelinnungsgenossen und diese selbft (ich über die Be-