Mannheim
Compact Memory

Jüdische Monatshefte · 1920-01-01 · 7/8 (1920) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
7 (1920)
Issue
7/8 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 36)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4900572-5964867-5964977--2508-4903007
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1W> Sc h.'ittc'nrissi* aus!1. rc lijri׳ •srn l.i-lirn in •Irr H< rlinrr!11111׳> .!׳cincie. redet lie midi an, nachdem lie auf meinen Wunfch Platz genommen hatte, ״Und das wäre'״ - verletzte ich, ״Wir feiern demnächft die Hochzeit unteres Sohnes" fuhr lie fort, ״und du möchte ich Sie bitten, die Trauung zu übernehmen." ״Ich nehme an", erwiderte ich, ״dah die ftandesamtliche Trauung vorher ordnungsmähig ihre Erledigung finden wird und dah (onft kein Ehehindernis befteht, und fo bin ich unter dielen Vorausfetzungen felbftverhandlich bereit, die mir angebotene Trauung vorzunehmen.״ ״Nun muh ich Sie aber, Herr Doktor, noch auf einen Umftand uufmerkfam machen, die braut meines Sohnes war bisher Chriftin und ift jüngft zum Judentum übergetreten." ״Durch diefe Mitteilung", erwiderte ich, ״gewinnt die Sache für mich ein ganz anderes Ausfehen, auf das ich nicht vorbereitet war, und angelichts deffen muh ich meine Zulage zurücknehmen." Die Frau luchte in mich zu dringen, um mich umzuftimmen, natürlich ohne Erfolg. Im Verlauf diefes Hin und Wider fragte ich : ״Hei welchem Rabbiner ift denn der (ibertritt zum Judentum, um den es lieh hier handelt, erfolgt i*" worauf mir der Name eines Rabbiners der jüdifchen Gemeinde genannt wurde. ״Nun", fuhr ich fort, ,Tin derartigen Fällen ift es doch faft eine Regel, dah derjenige Rabbiner, welcher den Übertritt vornimmt, auch hinterher die Trauung vollzieht. Das wäre doch auch in diefem Falle der durch die Tatfachen felbft vorgezeichnete Weg! Ich fehe daher gar nicht ein, wie ich dazu käme, diefe Trauung vorzunehmen." ״Das will ich Ihnen erklären" fuhr die Frau fort, ״mir war es vergönnt, am letzten Verlohnungstage Ihre Predigt zu hören, und ich würde es als eine grobe Wohltat empfinden und Ihnen ftets dankbar lein, wenn Sie bei meinem Sohne die Trauung vornehmen würden. Sie glauben gar nicht, welche beruhigung darin für mich läge." Ich erwiderte darauf : ״So nahe mir auch, vom rein menfchlichen Standpunkte gefehen, ihr Wunfch gehe, fo mühte ich ihr doch eines zu bedenken geben. Ift es richtig, dah jene Predigt bei Ihnen von Eindruck gewelen ift, Io dürten Sie doch auch von demjenigen, der lie gehalten hat, kaum eine andere Haltung auch in diefer Frage erwartet haben. Ich hätte Ihnen anders doch eine fchwere Enttäulchung bereiten müflen, und das werden Sie doch weder in meinem noch in Ihrem Interelle gewünfeht haben." Da die Frau

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.