Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 7/8 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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t7fl Schattenri*»׳■ .ms 11. 11־l1g1111.»1׳ l.rhrn in!Irr H1־rlin<׳r ju׳l. t'■»•njeinilc. ich Sie zum Zeugen meiner Tränen mache. Ich fühle mich f« wohl und erleichtert, dah ich mich bei Ihnen ausweinen darf. An meinem Herzen nagt ein fo tiefes Weh, ein folch' zehrender Kummer, für die es keine Worte giebt!“ Wer befchreibt indes die Ratlofigkeit, mit der ich diefer Frau und ihrem Anliegen gegenüber ftand. Ich vermutete zunächft, es mochte wohl eine fchlechte, brutale Behandlung von Seiten des Mannes in erfter Linie die Urfache fein, welche die Frau zu mir führte. Auf meine dahingehende Frage indes erwiderte lie, dah fie nach der Richtung zu klagen keinen Anloh hatte. Ich verfuchte nun der Frau klar zu machen, welch’ fchwere Verlegenheit mir ihr Wunfch bereiten müffe. Ich könne ihr doch unmöglich, fügte ich hinzu, nach Art mancher Wunderdoktors etwa ein Kräutlein oder irgend eine Sulbe zur forgfältigen Benutzung empfehlen. So viel müffe doch auch fie wiffen, dah, um Kinder jüdifch zu erziehen, um mit einiger Sicherheit lieh tagen zu können, ihre Zukunft gehöre dem Judentum, dazu gehöre doch vor allem die Gewöhnung an jene Gebote Gottes von Kindheit an, durch welche unter getarntes jüdifches Leben zu einem einzigen Akte des Gottesdienftes fich geftaltet. Sollte ich ihr ftatt deffen die leere Eierfchale einiger Glaubens- oder Gebetformeln darreichen? Wenn einer, fo bin ich von deren Wirkungslofigkeit im vorhinein überzeugt. Wenn ich etwa auf diefe bequeme Weife einen Ausweg aus der Verlegenheit, in die mich ihr Verlangen verfetzt hat, fuchte, - eine Hilfe hätte ich ihr nicht geboten, wohl aber ihr das Letzte, ihren Glauben an die Hoheit des Judentums, den ich aus vollfter Überzeugung mit ihr teile, geraubt. Sie dürte doch keinen Augenblick die fchwierige Lage verkennen, in die midi ihr Wunfch bringen könnte. Sie lebt mit einem Nichtjuden in Ehe und häuslicher Gemeinfchaft. Meine Anweifungen, die ich ihr etwa geben könnte, mühten von der Art fein, dah fie zu nachhaltigen Erfchütterungen der gewohnten Ordnung führen Bin ich denn ohne weiteres delfen lieber, dah ihr Ehemann darin nicht einen eigenmächtigen Eingriff in feine Rechte als Familienoberhaupt erblicken werde? Ich kann demnach zu den geäuherten Wünlchen erft dann Stellung nehmen, wenn ich aus dem Munde ihres Mannes zuvor gehört hätte, welche Stellung er dazu nehmen werde. Die Frau fuchte zwar meine Befürchtungen,