Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 7/8 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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krliyiiinNliisr Plthik '• I 7.S kommenen Seligkeit verlangen zu muffen, ohne für fie gefchaffen und veranlagt zu fein, der ift noch nicht recht feiner felbft inne geworden. Die Glückfeligkeitshoffnung flammt vom Urheber unterer Natur; fie kann daher nicht Lüge fein, das verlangende Herz nicht täufchen. An ihr befitzt der Wanderer im Erdentale eine zuverläflige ,Bürgschaft für die vollkommene Befriedigung feines Hungers und Durftes nach Glück. Kraft diefer Zuverficht ift er wetterfe,t in allen Stürmen, ftark und ftandhaft in allen Kämpfen und Leiden; ohne fie würde er fich im Sehnen und Schmachten verzehren. Die friedliche und frohe Gemütsftimmung, diefes ק,־־, ־־ד ift etwas vom ־נא wk'־;־ das den Jenfeitsgläubigen Schon ־:־ z1-־;: wird, mit der lie die Aufhellung aller Dunkelheiten, die Auflöfung jedes Rätfels, die Verföhnuug jedes Widerfpruches und die Verwandlung aller Leiden erwartend ift das Schöne Gegenbild zu jener poffenhaften Art, in der gewiffe Neuftoiker lieh gefallen, mit den Leiden und den Leidenden umzufpringen. Die ftoifche wie die epikureifche Auffaffung der Verbindung von Sittlichkeit und Seligkeit hat fich uns als unbrauchbar und unhaltbar erwiefen; die eine verftöbt gegen den Glückfeligkeitstrieb, die andere gegen das Sittengefetz. Jener fordert eine innige Be- Ziehung des Sittlich guten Handelns zur vollkommenen Seligkeit, diefes beanfprucht die Herrfchaft über das getarnte Seligkeitsftreben. Die richtige Löfung und Lotung heibt: fittliche Glückfeligkeit, Glückfejigkeit in der Tugend und vollkommene Seligkeit in vollendeter Sittlichkeit. Gibt aber die Religion etwa eine andere? Lehrt lie uns doch, dab ein und dasfelbe Wefen der ewige Urgrund aller Sittlichkeit wie der wahren Seligknit ift. und dab die letztere uns nicht rein gefchenkt werden foll, fondern durch Pflichttreue verdient lein will. Man macht lieh einer gröblichen Miluleutung der religiöfen Moral Schuldig, wenn man ihr vorwirlt, dab lie den Naturzwang der Selbltliebe und des Seligkeitstriebes zur Belchcinigung der Selbltfueht und zur Begründung einer I.ebensanSrhauung verwerte, der das Selbltinterefle in feinerer Form als einzige Triebfeder und zugleich als oberlter Mabftab des littlichen Verhaltens gelte Keine»- wegs wird durch die Seligkeitshoffnung das littlirh Gute zum Mittel menfchlither Befriedigung herabgewürdigt, das Pflichtgrbot in eine