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Jüdische Monatshefte · 1920-01-01 · 7/8 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
7 (1920)
Issue
7/8 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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ס; 1 I<<‘lit!i11nsl<1s<׳ KthiU - gegenüber allen Mißerfolgen und Mißgefchicken fchon an deren Urhebern fich gerächt hat. Die Glückseligkeit, die aus jener fchauspielerifchen Tugendhaftigkeit floß, war nicht stark genug, unter der Wucht harter Leiden die Selbstmordgedanken abzuwehren. Die Erlaubtheit des Selbstmordes war ein Glaubenssatz der Stoa. Der Stoiker hatte leicht prahlen mit einer Schmerzlofigkeit, die er fich äußersten Falles durch einen Todessprung bequem erkaufen konnte, und es ist bekannt, wie häufig von diesem Mittel in weniger fchlimmen Lagen, als es Catos Bedrängnisse waren, Gebrauch gemacht wurde. Die stoifchen Tugendhelden find stolz auf einen Sieg über die Leiden, der durch die Flucht vor ihnen erkauft wird, fie preisen als Seelengröße, was. näher besehen, nur Geistesfchwäche ist. Hieraus erhellt, daß in der stoifchen Lebensanfchauung Sittlichkeit und Seligkeit keineswegs im Einklang miteinander stehen. Wenn aber auch ein leidlicher Ausgleich zwifchen beiden nachgewiesen werden könnte, so wäre dieses Ergebnis doch nur unter der Bedingung von Wert, daß die stoifchen Begriffe von Tugend und Glück mit der wahren Auffassung beider fich decken. Das aber ist keineswegs der Fall, denn derjenige verdient doch unmöglich den Namen eines Tugendhaften, der in stolzer Selbstgenügsamkeit fich in sein liebes, wenn audi noch so leeres, Ich zurückzieht und alles außer lieh und um lieh gänzlich vernachläfligt oder verachtet, der auf unnahbarer Höhe über die ganze Welt zu Gericht fitzt, allerdings unempfindlich gegen fremde Beleidigungen, aber auch herzlos gegenüber fremden Leiden. Es liegt auf der Hand, daß mit einer solchen Hoheit des unaussprechlich wertvollen Ich die tiefste fittliche Hohlheit sehr wohl vereint sein kann und tatsächlich eine viel ״unfittlichere Selbstsucht" besteht, als jener hartgefcholtene Glückseligkeitswille ist, der nur vom höchsten Wesen begnadigt und beseligt zu werden begehrt. Der wirklich Tugendhafte sucht das Gute durch vollkommene Unterwerfung seines Willens unter den göttlichen Willen zu verwirklichen. Es ist ihm aber nicht genug, sein eigenes Leben mit den Geboten Gottes in Einklang zu bringen, sondern er wünfeht sehnlichsl, daß das Gute überall und von allen getan werde. Er betrachtet die Menfchheit nicht als eine Menge von Einzelwesen,

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