Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 7/8 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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hJi UH1vi״nslos1• )•thik find, ebenfalls Wohlwollen zu hegen und ihnen, wie uns felbft, Gutes zu gönnen, zu wünfchen und zu erweifen. Daher heiht es mit Recht, dab alle Liebe mit der Selbftliebe beginne, d. h. an dieser ihr natürliches Vorbild und ihre begriffliche Richtfchnur wie ihre seelifche Vorbedingung habe. Die natürliche Selbstliebe begreift das Glückseligkeitsstreben in (ich, d. h. dab unsere Natur (ich zu allem hingezogen fühlt, was ihr zusagt und zuträglich ist, fich ihr als Mittel zur Vervollkommnung und ßeseligung empfiehlt. *• Dieser Naturtrieb der Selbstliebe und des Seligkeitsstrebens ist im Grunde genommen nichts anderes als unsere Natur selbst, insofern tie ihrem nächsten Ziele und ihrem notwendigen Gegenstände und Gute immerdar zustrebt. Wer ihn vom (ittlichen Wollen und Handeln ausfchliebt, verkennt ganz und gar die Naturbefchaffenheit des Willens und handelt ebenso töricht und vergeblich, als wenn er dem Magneten die Anziehung des Eisens oder fihwebenden Körpern die Neigung zur Erde verbieten wollte. Jemandem zumuten, der Rücklicht auf lieh selbst zu entsagen, heiht soviel, als ihm zumuten, dab er gehe, ohne die Fübe zu bewegen, und lebe, ohne zu atmen. Aus dem Gesetze, kraft dessen wir zunächst und immerdar unsere eigene Natur lieben und deren Vollendung und Beseligung begehren müssen, folgt dab wir etwas auber uns nur unter der Voraussetzung zu lieben vermögen, dab es fich, sei es durch seine Belchaftenheit, sei es durch seine Wirkung uns als ein Gut für uns darstellt, uns angemessen, angenehm oder nützlich ist. Daher mub auch das sittlich Gute ein Gut für uns sein, uns als wollenswert erfcheinen, bevor es gewollt werden kann. Es kann nur dadurch unser freies .Streben in Anspruch nehmen, dab es fich unserer vernünftigen Natur als ein überaus hohes Gut cmpfiehlt und so deren Zuneigung und Liebe, Wohlgefallen und Freude gewinnt. »Die an lid! felonste Tugend könnte niemals unser Eigentum werden, wenn lie li<h nicht durch Werturteile, sondern npr durdi ״uninterellierte" Vorstellungen unserem Hewuhtsein anmeldete. Wer lieh einer buchstäblich selbstlosen Sittlichkeit rühmt, ist in einer Selhttaulchung befungen. Möchte man ohne jegliches .Selbstinteresse das litllich Gute verwirklicht wissen,