Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 5/6 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Schattenrisse aus 11■ religiA1»<,n I.cltcn in <l<׳r lltrlmer juil <.«'mnn<l> 11t .Was geh! denn dos mich an“, versetzte ich; .bin ich denn etwa davon überzeugt, dab man es mit den sogenannten Moralgesetzen so peinlich genau nimmt? Wollen Sie mir etwa zumuten, dab ich mit Rücklicht darauf auch die Lehren der sögenannten Moral nur in dem Sinne und insoweit zu lehren hätte, als diese in den Häusern der Eltern beobachtet werden? Auf welchem Wege sollte ich im übrigen noch der Richtung hin meine Feststellungen treffen? .Hoben Sie denn nicht daran gedacht, dab Sie die Schüler in einen Konflikt mit dem Elternhause bringen“, wurde mir von der andern Seite entgegengehalten. .Diese Frage“, erwiderte ich, .ist von mir eigentliÄ fchon in meinen so eben gegebenen Darlegungen erledigt werden. Ich kann nur noch hinzufügen, dab ich stets die eigenartige Situation, in der ich mich befinde und aus der heraus ich den Religionsunterricht zu erteilen habe, fcharf ins Auge fabte, unter Beobachtung pädagogischen Taktes und Wahrung der gebotenen Vor- und Umficht vorzugehen stets bemüht war, immer aber unter strenger Wahrung meiner religiösen Überzeugung. Ich darf wohl sagen, dab gerade dies letztere Moment es ist, welches meine Schüler veranlagt, meinem Religionsunterricht ein besonderes reges Interesse entgegen zu bringen. Ich bin bestrebt, meine Darlegungen so zu gestalten, dab auch Gegner meiner religiösen Ueberzeugung ihnen eine ge• wisse Achtung nicht versagen können. Wer Ihnen von dieser Angelegenheit Anzeige machte, das weib idt nicht, wollen Sie mir auch nicht mitteilen. Dab aber meine Ausführungen nach jeder Richtung hin einwandfrei waren, können Sie fchon daraus entnehmen, dab derjenige, der Ihnen die Anzeige machte, nicht aus dieser selbst einen irgendwie ergiebigen Stoff gewinnen konnte, sondern zu einer offenkundigen Unwahrheit seine Zuflucht nehmen muhte“. Der Zwifchenfalh fchien damit erledigt, fchien, läge ich, war es aber noch längst nicht. Ich erteilte meinen Unterricht weiter bis zum Schlüsse des Semesters. Zu Anfang des darauffolgenden Semesters machte mir der Direktor plötzlich die Eröffnung, dab der jüdifche Religionsunterricht nunmehr nicht fo wie bisher in mehreren Kurfen, die ich an zwei Nachmittagen der Wo«he nocheinander obhielt, erteilt werden könne, fondern in den Vormittagsstunden, genau in denfelben Stunden, in welchen auch der chriftliehe Religionsunterricht stattfindet. Ich sah sofort, dob mit diefer über meinen Kopf hinweg getroffenen Mobregel mir von Seiten des Vorstandes ein Bein gestellt wurde, über welches ich unweigerlich stolpern muhte. Ich hielt dem Direktor entgegen, dob, wenn zwei dasfelbe tun, es doch nicht dasselbe ist. Wenn der Oberlehrer von b-9 Uhr Religion gibt, dann unterrichtet er von 9-10 meinetwegen Deutfeh, dann Latein ufw. Sein Tagewerk ist damit erledigt. Ich habe bis zur Schule einen Weg von falt einer Stunde. Unterrichte ich von S-9 hier, komme gegen JO noch-