Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 5/6 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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II.’ '־'fti.iitPiitissi■ .ms <1. religiösen I.!•11(11 in •l< t H«-rlin»־r jücl. < iemrin׳le. Für mich kommt noch rin zweites hinzu. Im Talmud wird gelehrt (א עב: dah, wenn die Peft unter Schweinen wütet, fo־müffe deswegen ein allgemeines Falten abgehalten werden, als wenn fie unter Menfchen herrichte, weil der innere anatomifche Bau bei dielen diefrlbe Befchaffenheit hat wie beim Menfchen. Nun ift aber das Schwein das einzige Wefen, welches durch keinerlei Inftinkt lieh auszeichnet. Selblt jener *heltiglte und edelfte Inftinkt der Mutterliebe, der das gemeinlame Band bildet, in welchem alle Kreatur lieh vereinigt, ift ihm vertagt. Wenn ein junges Lämmlein geboren wird, dann darf es erlt, nachdem es ft Tage alt ift. als Opfer verwendet wesden. Denn der Inftinkt der Mutterliebe ift etwas fo Edles, dah es lelblt ein Tier, lo lange es von ihr getragen wird, über feine Gattung hinaushebt. Das Schwein frifst die eigenen Jungen, die es eben erft geworfen hat!! Der Bauer muh fie daher vor der eigenen Mutter forgfältig fchützen. Alles Irdifche ilt nur ein Gleichnis! In dem Menfchen fehen wir ein zweites Gefchöpf, das von Haufe aus durch keinerlei Inftinkt gebändigt ift. Er hat daher den Beruf, aus feiner Seele diejenigen Kräfte erft herauszuarbeiten, die ihm das Gefetz feines Lebens vorfchreiben, dem Tiere jedoch ist dieses Gesetz durch den Instinkt, von dem es gebändigt wird, ein für allemal vorgezeichnet. Welchen unausdenkbaren Gefahren wären wir unterworfen, wollten wir diese Gesetze aus uns selbft ausfehlie:Mich herausarbeiten? Wenn uns das Gesetz Gottes in unserer Hilflofigkeit die Hand bietet, um uns auf den einzig richtigen Weg zu leiten, so ist uns hierdurch die gröbte Wohltat erwiesen worden. Ob wir nicht durch den Genuh des Schweinefleifches, nach all dem, was ich eben gesagt habe, an unserem Edelsten und Teuersten .Schaden leiden, das möge! Ihr nun selbst entfeheiden." - ynter dem Eindrücke dieser Ausführungen sahen meine .Schüler wie begossen da. Ich hielt den Zwifchenfall damit für erledigt. Das war aber noch längst nicht. Einige Zeit dorauf erhielt ich eine Aufforderung bei dem Vorstand der jüdifchen Gemeinde zu erfcheinen. Ich kam derselben lelbftverftändlich nach und liehe da, mir wurde von dessen Seite der Vorhalt gemacht, ich hätte im Religionsunterrichte gesagt: ״Wer Schinken iht, der ist kein Jude". ״Aber", versetzte ich darauf ״wie können Sie denn nur so etwas für möglich halten .’ Das wäre doch ein Ausfiuh grober Unwissenheit. Wodurch habe ich es verdient, dah ich bei Ihnen in einem solchen Lichte erlcheine?״ ״Nun, was ist denn vorgefallen", wurde mir von d1־׳ andern Seite entgegengehalten. ״Sehr einfa h". versetzte ich, ״die Frage nach den Speisegesetzen w urde von Viten meiner Schüler י aufgeworfen und da habe ich diejenigen Autuhlüs&r gegeben, die mir zweckdienlich erfchienen". ״Ob ich denn nicht wühle, dah die meisten Eltern meiner Schüler diese Gesetze in ihrem Hauswesen nicht mehr halten wurde mir eingewendet.