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Jüdische Monatshefte · 1920-01-01 · 5/6 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
7 (1920)
Issue
5/6 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 45)
Language
German
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Si'hatU-nrissc aus 11. relipnscn 1.111■ •י 1־ m «I«■r H! rlilirr jinl. <im in!l< I II so merkwürdige Blicke zuwarfen. .Selbstverständlich", bemerkte ich. .Ob denn auch diefe Speifegefetze noch heute in Geltung wären", warf mir ein anderer ein? .Ich wübte nicht" gab ich zurück, .warum denn heute weniger als früher? Ift die Sache richtig, so sehe ich nicht ein, warum gerade wir uns darüber hinwegfetzen follten, ift fie falfch, fo war fie es immer*. Im Anfchlusse daran zeigte ich meinen Schülern, dab die Speifegesetze die notwendige Folge von der Auffassung bildet, die wir von dem Begriff der Heiligung haben Diese erfabt bei uns nicht blob einzelne Äuberungen des Herzens und der Seele, fordern ergreift den ganzen Menfchen in allen Beziehungen und Betätigungen des Lebens. Es ist daher falfch, wenn anderwärts gelehrt wird : ,Was in den Mund hincinkommt, das fündigt nicht.“ Noch falfcher aber ist die Begründung, die dort für diele Auffassung gegebenwird, denn das, was in den Mund hineinkommt, geht nicht blob in den Magen, von da in den Darm und gelangt fchlieblich zum Ausfeheiden. Dies nur so weit es verbraucht oder unbrauchbar ist, alles übrige wird zum Wiederaufbau unteres Körpers verwendet, dem Organe, durch welches untere Seele in Wjrkfamkeit tritt. .Aber das Verbot des Schweinefleifchs könnte doch für uns keine Geltung mehr haben, da wir gegenüber der Trichinengefahr durch die amtliche Tierbefchau gefchützt lind", meinte einer meiner Schüler, unter lebhaftem zuftimmendem Kopfnicken der übrigen. .Welche Gründe für diefes Verbot mabgebend waren", erwiederte ich, .das können wir mit Bestimmtheit überhaupt nicht fagen, - ist auch gar nicht notwendig. Wir haben diefe Gebote nicht ihrer Gründe wegen zu befolgen, fondern, weil fie uns von Gott befohlen worden find. Nur eins kann ich mit aller Beftimmtheit fagen, die Bedenken wegen der Trichinengefahr waren es keineswegs, die diefes Verbot veranlabt hatten, ^enn ich auch zugebe, dab unfer Lehrer Mofc die amtliche Tierbefchau nicht kannte, fo gibt es doch noch andere, einfachere Mittel, der Trichinengefahr zu begegnen. Mofe hätte uns alsdann doch nur die Anweifung zu geben brauchen : Bevor ihr von dem Schweinefleifch eflet, mübt ihr zuvor einem Hunde, oder einer Katze eine Koftprobe verabreichen. Richtet es bei diefen keinen Schaden an, dann wird es euch gleichfalls nicht fchaden". .Warum hat nun Mofes das Schweinefleifch verboten", wurde mir aus der Mitte meiner Schüler zurückgegeben. .Nach all dem, was ich Euch heute getagt habe", verletzte ich, .hätte ich von Euch eine folche Frage nicht mehr erwartet. Ich hätte an Eurer Stelle vielmehr die entgegengefetzte Frage aufgeworfen : wiefo kommt es, dab gerade das Schwein Träger diefer gefährlichen ekelhaften Haralden ift? Darauf ift die Antwort leicht gegeben : weil es lieh von allerlei ekelhaften und in Fäulnis übergegangenen Stoffen, von Aas und felbft, wie ich einer Bemerkung des Talmuds (ט c־r־c) entnehme, von menfchlichen Leichen ernährt.

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