Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 5/6 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Sch.ilt• nnss<* .ms!1. r< l1tr1..s1־n l.rhrn 111 ■I! 1 Hrrliiirt 1ml. 1 ■i-mi itvle. 1.r> fich in echt berlinifchem Dydekt hinflültert: .Und bei uns ift Sonnabends das .jrobe Reinemachen'! Da hatte wieder einmal die Wahrheit aus Kindermund das erlötende Wort gefunden! Der Sabbat ift in dielen Haufern nicht einmal ein Wochentag gewöhnlichen Schlages, nein, er ift das .jrobe Reinemachen“, er ift zu dem erniedrigt und in den Staub getreten, was in jüdifchen Häufern der Freitag ift, mit einem Worte, ein Rüfttag für die Feier des Sonntages!! - Meine Lage in diefem Unterrichte war keine beneidenswerte. Ich hatte den Eindruck, als wäre meine bel'cheidene Arbeit plötzlieh in den Mittelpunkt des Intereffes gerückt. Es traten Mütter und Väter an mich heran mit allerlei Fragen und Anliegen, denen gegenüber ich das Gefühl hatte, dab dies nicht fowohl der Sache galt als vielmehr der Gelegenheit, die diele bot, dielen fo gar fonderbaren Religionslehrer kennen zu lernen. Den Eindruck eines Menfchen, der in der Kultur etwas rückftändig wäre, glaube ich weder auf meine Sdiüler noch auf meine Befucher gemacht zu heben. Letzteren gegenüber Ichlug ich einen durchaus zutrauliehen Ton an und gab ftets fachgemäh meine Antworten. Was aber die erfteren betrifft, fo kam es nicht gar feiten vor, dab eine harmlos fcheinende, (ogenannte fuliche Antwort, meinem immerhin etwas ״cfchärfferenrtÜtckc «rts ein Komplex mannigfacher Irrtümer erfchien. Wenn ich dann eine folche Antwort, bei der lieh der Schüler kaum felbft ihrer Tragweite bewuht ward, wie einen mir von Kindeshand zugewurtenen hall aufgritf, ihn unter Entfaltung eines fuchgemäben Spieles von Frage und Antwort in einzelne Fäden zerlegte und ordnete, fo hatten meine Schüler nicht feiten das Gefühl, wie einer, dem Schuppen von den Augen fallen. Mein Unterricht fcheint auch auf einen Teil meiner Schüler nicht ohne nachhaltigen Eindruck geblieben zu fein. Ich erkannte dies aus dem Beffreben mancher Eltern, perlönlidie Beziehungen mit mir anzuknüpfen. Wie denn überhaupt in die Hand eines Religionslehrers namentlich an höheren Schulen ein Einfluf» gelegt ift, der in gewiffer Beziehung telbft den des Rabbiners übertrifft. Wieviele unterer modernen Juden hören denn jemals ihren Rahbincr? Die Religionslehrer jedoch bekommen lie ganz gewib zu hören und zwar noch verdolmetfdil durch den Mund ihrer Kinder - und das wirkt Vielleicht hatte der Prophet einen (olchen Vorgang ins Auge g״far. als er das Wort fprach : .־“: א: ־ Nun mub ich aber auch noch meinen verehrten Leiern erzählen, welches Ende diefer Religionsunterricht fand, bezw. aut welche Weife er mir aus den Händen gewunden wurde. Nachdem ich diefen Unterricht etwa fchon 2 Jahre lang erteilt hatte, kam ein Herr, Vater eines meiner .Schüler, zu mir und fugte : .Du mein Sohn in 3 Monaten eingefegnet werden toll, fo bitte ich Sie, die Vorbereitung hierzu zu übernehmen.“ Ich