Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 5/6 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Materialismus und Messianismus um dir Wi nde des 1 *י. Jahrhunderts. IIS reinfte und edelfte Frucht des Naturalismus eine gewaltige Meffiaslehnlucht durch die Welt, die (ich, wie Itets, in den wunderlichlten und feltfamften Erfcheinungen manileltiert, während ße auf der Suche ilt nach der Erfüllung. Und gar viele Glaubensiehnlüchtige haben Tolitoi jubelnd als Meifias begrübt - nicht nur arme ruißlche Leibeigene, fondern auch freie Europäer. Sie dürften danach, ßch zu befreien von der drückenden Tyrannis der Materie und greifen aufatmend nach der Botfchaft, die Tolitoi ihnen bringt. Aber das fcheint zunächit kein Fortfehritt, sondern ein Drehen im Kreile. Denn Tolstoi’s modernes Christentum ist wie das Alte gröber im Protestieren als im Aufbauen, im Verneinen als im Bejahen, im Verdammen als im Erlöien. Auch es ilt Unnatur - gepredigt vom Naturalisten. Ach! Das dritte Reich, die Verfchmelzung des Endlichen mit dem Unendlichen hier auf Erden, die Durchdringung des Unheiligen mit dem Heiligen, der Sinne mit dem Geilte, die Vereinigung der Schönheit und der Moral, des Ichs und der Gottheit, die Synthese von Kultur und Natur fcheint uns dann eine Fata Morgana, die vor unteren tränenden Augen im Dunst zerfliebt - eine Stimme im Walde, der wir wie wahnfinnig nachjagen, und ße ist doch nur das klägliche Echo unterer eigenen Brust. Doch nein! Die Ahnung des Höheren verbürgt leinen Bestand. Das Naturideal, die Paradieses sehn sucht ist zugleich Natur- und Paradieses ge wibheit. Als Gott die ersten Menfchen aus dem Paradiese vertrieb, da lagerte er vor den Eingang desselben (Genefis 3, 24) r:cאת י:־־־ב־ם ־את לדט!־־־: דרי,־, die .Cherubim': die Spuren des göttlichen Wesens in der Men- Ichenbrust, und .die Flamme des lieh umwälzenden Schwertes': das ewig wiederkehrende Leid, י‘״;:■• את — עין ־־־־ט .um den Weg zum Baume des Lebens für ihn zu bewahren“. Und so ahnt und fchaut der .geläuterte Menfch' in den Gängen der Gefchichte nicht ein immerdar (ich wiederholendes, iruchtloles .alles fchon da gewelen“, fondern die liebevolle Hand Gottes, der leine freien Menfchen durch alle die blutigen Schlachtfelder der Kämpfe, Verirrungen und Entwicklungen der Jahrhunderte die Bahn der Cultur zu ihrem Ziele hin führt. Hat aber der Menfch, den Offenbarungen Gottes in der Gefchichte laufchend, und fo feine wahre Beftimmung erkennend, seinen Weg gefunden, dann wird, nach dem herrlichen Ausdruck des Pfalmisten, die ganze Natur ihm entgegenjauchzen, -