Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 5/6 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1 .ד * M.1t< ri.itismii* un!l M> ssiamsmu•• um ו1י<■ \\ •n!lr ilrs 1 *». I.ihi liundi rt«. und die Wirklichkeit der groben fchöpferifchen Natur auf die Faffungskraft unferer bornierten Sinne einfchränkt, während doch das ״ Unfafebare, hoch über dem finnlich Wahrnehmbaren Schwebende, im Bewufetfein des geringfter! Menfchen (ich Behauptende nicht wegdisputiert und nicht in ein körperliches Organ hineingefchachtelt werden kann. Und fo bietet Tolltoi mit unerhörter Kühnheit dem modernen Naturalismus Trotz und verkündet eine neue Lehre, die nichts ilt als die Lehre des Chriltentums, aber in der Form und Geftalt, wie fie feiner Anficht nach dem Jahrhundert entfpricht, in dem fie verkündet wird. Er modernifierl das Chriftentum, indem er alles, was Gegenftand des biofeen Glaubens war, in einen Gegenftand der Erkenntnis umzuwandeln fucht: Chriftliche Erkenntnisiehre anftatt chriftlicher Dogmatik. Tolftois Gnoftizismus hat in unferen Tagen den Naturalismus abgelöft - eine ftarke Strömung tief religiösen Lebens geht von ihm aus und kann in feinen Wirkungen und Entwicklungsmüglichkeiten heute noch nicht überfehen, ja noch nicht einmal geahnt werden. Die Parallele mit Koulfeau liegt nah - beide haben den Materialismus ihrer Zeit durch eine neue Lehre rrfetzt. Aber Tolftoifteht auf den Schultern Rouffeaus, arbeitet mit der Idee, die jener mit feinem Herzblut der Welt erkauft. Das 19. Jahrhundert hat den Rouffeau' fchrn Naturbegriff zuerft bis zur höchsten wiffenfchaftlichen und künftleri.chen Vollkommenheit, deren er fähig war, geftejgert - dann aber in (träflich trunkenem Übermut mit ihm die Welt aus den Angeln heben zu können, mit ihm die letzten und tiefften Gehrimniflr des Seins und Werdens löfen zu können geglaubt und fo, feine Compelenz überschätzend, ihn vergewaltigt und zur Magd feiner Lüfte erniedrigt. Aber dies unwürdige Schaufpiel hat längft die Beften und Edellten empört - und eine grofee Sehnfucht geht heut durch unfere Zeit, aus dem Zauberbann der Materie (ich zu löfen, die Alleinherr.chaft der Vernunft und der Sinne zu ftürzen, damit die Io lange zurückgedrangten Bedürfniffe des Gemüts und der Phnntalie v jeder zu ihrem Rechte kämen. Plötzlich erinnert man lieh, dafe der Materialismus die Religion und das religiöfe Gefühl geraubt halle, ohne einen Erfatz für fie bieten zu können. Jetzt geftehf man fich's ein, dafe man tief unbefriedigt geblieben war, gedarbt und gehungert hatte, während man kalt lächelnd entbehren zu können vorgab. lind fo geht in unferen Tagen als