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Jüdische Monatshefte · 1920-01-01 · 5/6 (1920) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
7 (1920)
Issue
5/6 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 33)
Language
German
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Materialismus un«l M׳ ssumsums um!1!׳■ Wrn•!! •I« v r> l.ihi humlctts. ijo Was ift Kunft? Zola antwortete einmal hierauf: Kunff ifl Natur, gefehen durch das Medium eines Temperaments." Welch ein Wort! Ein Kind könnte hier den Irrtum aufdecken. Aber niemand wird den Naturalismus einer Kunfttheorie zufolge verurteilen, deren lebendigften Gegenbeweis er telber in all denen feiner Werke liefert, die wahrhaft grob lind. So bedurfte es zur Entftehung fämtlicher Romane Zolas doch noch etwas mehr als des Anblicks der Natur und des getreuen Abzeichnens dertelben mit Hilfe des Temperaments. Es bedurfte der Genialität, es bedurfte höchften geiftigen, persönlichften Könnens, um ein Bild des Lebens zu geben, in dem gcitlige und pertönliche Kräfte überhaupt keine Rolle fpielen. Ich verliere kein Wort über den Sturm moralifcher Entrüftung. den feine Romane entfeffelten. Wie fagt O. Wilde? «Das ift nur die Entrüftung Tartuffes, der lieh entlarvt fieht." Sondern ich begebe müh mit Zola auf den Standpunkt, den er nun einmal verficht, und fuche ihm von da gereiht zu werden. Und da müssen wir ihm Dank wissen, wenn wir an all die kleinen Leute des 4. Standes und weiter an die Hefe und den Abfchaum des Lebens denken, den er und (eine Gelinnungsgenossen uns bei allem Abftand, den ja die Natur lelber will und durchführt und der auch bei Zola Itets gewahrt bleibt, menfchlich nahe brachten und verftehen lehrten. Das kann nur ein wahrer Künftler! In Zolas Romanen ist der Held niemals ein Individuum, sondern das Leben lelber, so wie er es Iaht und begreift. Und er fabt und begreitt es ungeheuer weit und doch wieder verhängnisvoll eng. Weit ist fein Naturbegritl Natur und Leben lind hier imiper idenliüh weil ihm das letzte und kleinste Ding oder Wesen nicht zu klein und zu gering ist, um nicht (einen Platz, an zugehöriger Stelle in leinen Romanen einzunehmen hier, aber nur hier, berührt er li<h eng mit Goethe weit ist er terner, weil au!h das finsterste, elendeste, häblnhfte Gefchehen, so wie im Leben selbst, bei ihm dicht neben Gutem und Normalem (ich durihletzt, so weit ist er, dab seine Dichtung das grobe Epos der Materie ist, mit genialer Einseitigkeit concipiert, mit unheimlicher Objektivität ausgeführt. Aber eng ist Zolas Naturbegritl und bedruckend, weil er vergibt, dab das Leben nicht nur hablich und fchmutzig, sondern auch fchon und licht, nicht nur finster und Ichwer, sondern auch sonnenhell und göttlich leuhtlinnig, dab nicht nur der Proletarier

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