Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 5/6 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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1.'*0 Materialismus uml M» sxiamsmus um die Wende des t‘>. Jahrhunderts. seufzt und Schier zu zerbrechen fcheint unter der Bürde des Lebens, sondern dab auch auf den Höhen der Menfchheit gewaltige Tragödien erlebt und ausgefochten werden. Wie seltsam wandelt die Gefchichte! Zolas Dichtung bedeutet den heftigsten Protest gegen all jene, die nur von den Schmerzen der Könige lieh erfchüttern lassen wollten - und wenn O. Wilde Zolas Menfchen furchtbar langweilig findet und höhniSch meint: .Wer fragt denn danach, was ihnen passiert* - nun, nach seiner Zuchthaushaft hat auch dieser eingefleischte Aristokrat anders geurteilt. Andrerseits wirft man Zola gewib mit Recht vor, dab er wiederum nach der dunklen und häblichen Seite des Lebens hin übertreibt, indem er fie allein darstellt, sein Naturalismus macht ihn zum Sozialisten, dessen nivellierendes Prinzip er bis zur Spitze treibt - und so in den gleichen Fehler der Einseitigkeit und Lebensunwirklichkeit verfällt, wie der extreme Individualist. Aber nichts steckt so an und reizt so zur Nachahmung wie das Extrem. Rings um Zola wimmelt es nur so von Künstlern und Dilettanten, die gleich ihm Natur mit Kunst verwechseln und daher in der Kunst die Natur so getreu und objektiv und ursprünglich wie nur möglich abzumalen (ich bemühen. Der Dilettant fällt darauf herein - der echte Künstler aber ist stets eine viel zu starke Individualität, um nicht trotz allem Realismus Lebensbilder mit stark subjektivem Einfchlag zu geben, wie z. B. Maupassant. Andere wieder werfen (ich auf ein einzelnes Gebiet der Natur, wie das der Psychologie und analysieren Seelenvorgänge mikroskopifch und genau fcharf bis ins Einzelnste, ohne doch, wenn fie echte Künstler find, die rein intuitiv erfabte Ganzheit der Person künstlerisch aus dem Auge zu verlieren, wie Bourget, Flaubert, Dostojewsky. Und selbst die Lyrik bemächtigt (ich des Stoffes. Und das Häbliche, das in einem Roman wenigstens nie deplaciert erscheinen kann, da es (ich einfügt in ein breites epifches Gemälde, wird nun in den Händen der Lyriker, die es losgerissen vom Zusammenhang, rein impressionistisch wie in einzelnen Momentaufnahmen vor unseren Augen enthüllen, eine Perverfität. Verlaine trägt die Dekadenz in die Lyrik, Baudelaine folgt ihm, in den Blumen des Böten wühlend aus ihrem Duft formvollendete Verfe Schmiedend. Und der junge Hauptmann begreift die Natur und die Aufgabe der Kunft wie Zola und gibt gewaltige dramatifche Bilder von erfchütternd natura-