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Jüdische Monatshefte · 1920-01-01 · 5/6 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
7 (1920)
Issue
5/6 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
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Ij* \!.1.111 1 י1וh mis und M< ssmiiismius uni «In \\ < ml* •I s I‘*. J.i0rhun»l»Tts. Nif zuvor war er so konfequent und auf alle Formen des Lebens ausgedehnt aufgetreten. Aus der Philofophie verfchwindet die Metaph>(ik und die Ethik, und Ludwig Feuerbach’s leidenfchaftlicher, vollfaftiger Materialismus makht felbft fie, die körperlofe, zu Fleifch und FVlul. Die Gefchichte durchglüht nicht mehr der Atem unterer Heroen, nicht mehr gibt fie׳in pragmatifcher Ordnung die Ideen, Wünfche und Taten der Menfchen wieder, fondern fie, die einlt l.ebenftrotzende, wird zur blutlofen Statiftik und rein objektiv dargestelllen Zuftandsfchilderung - Marx und Taine fchreiben keine Gefchifchte der Menfchen mehr, fondern Gefchichte des Milieus. Die Naturwiffenfchaft macht aus dem Menfchen ein Tier, die Phylik ein Atom, die Gefchichte eine Zahl - die Impreffioniften malen nur noch feine Farben und fein Fleifch, fo wie das rein finnliche Auge ihn fchaut - ja felbft die Mufik, die Seele aller Kunfte, fteigt herab aus den Regionen, wo beim Klange des fühen Liedes und der vogelgleichen Melodie die Mauern des Universums einlt harmonifch lieh zufammenfügten und wird durch Wagner ejne Mitbewohnerin diefer Erde - fie fingt nicht mehr, fondern fie Ipridit, fie ift kein Lied, fondern ein Drama, fie ift nicht mehr eine Erlöferin von Erdennot und Erdenpein, fondern ein Spiegel derlelben, ift keine 1! harenhaft-ätherifche Jungfrau mehr mit Flügeln an den Schultern, Iondern eine Amazone von gewaltiger Kraft und I.eidenfchaftlirhkeit der Mittel. Und die Dichtung׳* Sollte felbft fie. die Goetne den eigenften Ausdruck gab und foehen noch wiederhallte von den Mondfeheinphantalien der Romantiker und den feelenvollen c\poftrophen der englifchen Naturalillen, lollte auch fie lieh mit Mann und Roh vor den Triumphwagen der Materie fpannen? Ein fchier unüberfehbarer Zug. Ich greife Zola nrrnus unter der Schar derer, die den Zeitgeilt Darwins in dichterilchen Umfatz bringen, nicht weil ich ihn tiir den uusgefprochen Gröbten halte, Iondern weil er dielen Geilt m.t <!er grohten Treue- und in weiteiter Ausdehnung wiedergibt mvl bereits übertreibt. Bei Zola erreicht der Materialismus der damaligen Epoche nicht nur feinen Gipfel, fondern er wird be,■its zur Manier, d h. zur Unnatur. Bei Zola erkennt man am deutlichlten *die hohe und tiefe, ja unvermeidliche Berechtigung de*, vielgefchmab.ten Naturalismus des 19. )ahrhuneferts, und feine Schwachen und feine Grenzen.

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