Mannheim
Compact Memory

Jüdische Monatshefte · 1920-01-01 · 3/4 (1920) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
7 (1920)
Issue
3/4 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4900572-5964867-5964975--2389-4902890
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Möglichkeit™ 3י* Glück zertrümmert, gerade weil nie die Km|tti11dung für einen /.weiten Gegensatz ahaebwiieht und hierdurch die Mittel für Heine l'eherwindung nicht nucht oder nicht gar unzart vernichtet. Man kiinnte diene zweite GegenHatzreihe etwa also definieren, dann manches Naturgeschehen das Gefühl der Harmonie in uns zerreisst und durch Kmptindung des Hässlichen uns unglücklich macht. Zum Ausgleich dieses Gegensatzes schuf sich die Menschheit die Welt des Schönen, die ästhetische Kultur, ein Tranmland der Kunst in Plastik. Bild und Dichtung. Auf diesem Gebiet Liegt letzten Kadett der Gegensatz zwischen Hellenismus und Judentum beschlossen. Durch die ästhetische Kultur wird in den meisten Fällen, wenn sie isoliert bleibt, Narkotikum geschaffen, das wohl für Perioden von geringerer oder grösserer Ausdehnung Individualglück gestaltet, alier noch nie, seihst zu Perikies Zeiten nicht, der Gesamtmenschheit eine Kicbtung zun! Guten und Selbstlosen gegeben hat. Seihst in der höchsten Form aller Kunst, in der Durcbgeistigung des von der Natur in Form und Genuss Gegebenen, bleibt ästhetische Kultur ohne allgcmcingiiltige Norm. Ihr Urgrund ist sicherlich nicht einmal nationale Couvention; dass sie sekundär in den Dienst nationaleu Wollens gestellt werden kann und gestellt worden ist, wird nicht bestritten und bedarf keines Beweises. Allein gerade in der besonders starken Betonung der ästhetischen Kultur liegt speciell für die Orthodoxie eine oft unterschätzte Gefahr. Wenn das Traumland, als Wirklichkeit angesehen wird, beginnt das Reich der Uiigc und der Selbsttäuschung, die Grenzlinien zwischen StB accedens) uud עיקר (esseutielles) werden verwischt. Das geht oft so weit, dass man den dritten Gegensatz, der an der Wiege alles Kultiirgeschehens steht, oft gar nicht mehr empfindet. Diese l'.mptiiidungslosigkeit ist moral insanity. Wir verstehen uuter diesem dritten Gegensatz die Hindernisse, welche die Welt, teils in der Form brutalen Naturges! heliens, teils in der Entartung der Umwelt unserem sittlichen Wollen bereitet. Der Ueberwindung dieses Ge* gensatzes dient die ethische Kultur. Fs leuchtet ohne Weiteres ein, dass, wenn irgendwo, hier vor allem ein Zusammenarbeiten der Menschen notwendig ist. Insoweit äusserlich national zusarnmengebörige Menschen sich aut einen bestimmten Weg zur Be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.