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Jüdische Monatshefte · 1920-01-01 · 1/2 (1920) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
7 (1920)
Issue
1/2 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 47)
Language
German
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Mendelssohns Sendung und Schuld■ -t!S isfs nicht klar, ul» nach vor- oder rückwärts — die (ihcttomnuern siiul am Stürzen, .pi«/. F.uropa stellt in» Begriff aus den Fugen zu gehen und sich neu aiifzu bauen — tiugs um ilm werden die heiligsten Traditionen fortgeworfen, die F.rstgehurt an luhmi 7.11rück verkauft, um dieses ״Kote da“, dieses rot quillcnde. rot schillernde, zuckende, sprudelnde Lehen da, das so lange nur von fernher geschimmert, geströmt und gelockt, gierig zu verschlingen — dicht vor ihm an seinem Lager stehen Kinder, die nur darauf warten, nach seinem Tode all das mit Fiisseu zu treten, was ihm selber heilig und unantastbar gewesen — und seine letzte Sorge ist, naehzuweisen, dass Lessing dem’AY xui »äi. dem Substanzbegriff Spinozas ebensowenig Sympathie entgegengebracht wie er selbst — er starb, ohne die Tragweite seines Lebens, seine eigne Sendung auch nur geahnt zu haben.. Iler l’syclndoge möge immerhin sagen, ihm sei vergeben, er wusste nicht, was er tat — doch die (beschichte geht unaufhaltsam ihren Lauf, fragt nicht, was der Mensch gewollt, sondern was er getan, registriert unbeirrt über l'rsache und Wirkung — und sie vollzog ihr ticricht an Mendel•- sohn, indem sie seinen Namen für immer mit dem der Itcform verband. Denn gerade seine Kurzsichtigkeit, sein Mangel au Scharfblick und Fühlung mit dem Weidenden, sein lächelndes 1 tahingleiten über Pulverfässern, sein Nichtbegreifeu der eignen Sendung und Yerstreichculassen des F.incn grossen /.eitmoments, der aus ihm einen wahrhaft grossen Mann hatte machen wollen, einen Mann, der seinem Volke statt des wüsten, in unzählige Lager gespaltenen, unrühmlichen liildes der (»egeuwart «,ine Kpoehe hätte schenken sollen, mit der sich vielleicht nicht einmal die Blütezeit in Spanien hatte messen können au (»rosse und Schönheit all dieses bedeutet fraglos eiue Schuld, eine Sünde gegen d.ii.n heiligen (»eist der (ieschichte, ftocli sje allein erklärt noch nicht, was folgt. I>e1111 nur liirkhlirkcnd auf jene Zeit fühlt man sie heraus — nur der llisto■ riker, schwebend über den Wassern jener sturmgepcitachtrn Jahre, kann und muss diese Anklage erlichen. Wessen jedoeh bezichtigte ihn ein K. .Iecheskt‘1 Landau, ein l!aphncl < '•>1111 y Weshalb v«*r■ folgte ihn das Misstrauen frommer Zeitgenossen'!' l'iid warum umtoste ihn so laut der Itc1fnllsjuh<‘l von Männern, die längst, ach längst altjüdischcm <!eiste fremd geworden '!׳ Warum befindet er

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