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Jüdische Monatshefte · 1920-01-01 · 1/2 (1920) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
7 (1920)
Issue
1/2 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 45)
Language
German
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Mendelssohns Sendung und Schuld 1<-n mul Keinem Schicksal. .»einer Individualität 11ml seinem T\ pus. seiner Begrenztheit mul seiner l'nliepienztlieit, seinem liisturiselicn Sein 11ml seiner liisturiNehen Sendung. Der nurhislorische Betrachter jedoch kann mul dar( dies!• Scheidung so streng nielit vollziehen. Doch auch er muss z.unäehst Zusehen: Mendelssohn war frommer Jude im altjiidischen Sinn des Wortes. Kr ist nie, solang er atmete, um llaareslireite ahgewichcn von den (iesetzen seiner Keligion. Und in seinen Sehrilten hat er stets aufs nachdrücklichste betont, dass ״keine Vernünftelet, welcher Art auch immer, von dem strengen (iehorsam befreien könne, den der Jude seinem I iesetze schuldig sei.‘־ Sein Wille ist der denkbar beste gewesen — er hat im (■runde nichts anderes gewollt, als die deutsche (,iiltur. deren er selber unbeschadet seines Judentums teilhaftig geworden, auch auf seine Kinder zu übertragen. Dass er mehr tat. dass er, wo er nur auf seine Kinder wirken wollte, nur für sie die Bibel übertrug, völlig unmittelbar uml last gleichzeitig die ganze jüdische Nation beeiutlusst», einen gewaltigen rmsehwuug herbei• führte in ihrer sozialen Stellung sowohl als ihren geistigen und sittlichen Verhältnissen — dessen ist sich Mendelssohn ganz und gar nicht bewusst gewesen. Kr hat, nach seinen eigenen Worten, sieh bloss .,cinsebränken wollen, des Tags seidene Zeuge \erlcr-- tigeu zu lassen und in seinen Nchcustuudcu der 1’1יסו1ון0ל10וו einige Liebkosungen abzugewinnen׳■. Ja. noch mehr! er hat an die Wandlungsfiihigkcit seiner Stn1nmo»gcnussen gar nicht mehr rei ht geglaubt: ...Meine Nation" klagt er. ..ist in einer solchen Kiitlernung von Cnltur gehalten, dass man an der Möglichkeit einer Verlies serung verzweifeln möchte." Mendelssohn war ein frommer Jude — und wurde doch Be griinder der Reform. Wider Wissen und Willen, jawohl! als hlmdes Werkzeug in Händen der (!eschichte. Ahnungslos legte er für sic das (iarn, ahnungslos war er der Krste. der sich darin verstrickte. Und ohne dass cr's merkte und fühlte, während <׳r schlicht und recht seine!1flieht tat. den (■cschaflcn des Tages nachging und in seinen freien Stunden über tiott und die Tnstcrlilichkeit uachdaehte. wankte unter ihm der Boden, wankten die l irundpteiler seines eige neu Hauses und des Hauses Jacobs. Das aller i»1'» hier gerade, wo seine Rechtfertigung dem l'svchologcn muhelu* and aufs Kk latanteste sieh auldräiigt, hier gerade liegt der l'unkt. wo de! lli»-

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