Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 1/2 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Religionslose Kthik '<׳ 31 sittlichen Natur des Menschen. Kin ntiHitflicher Mensch empfindet kein (iefiilil *1er Unlust beim Anblick treiinien Klends. Ks ist ganz sicher, *lass auch an solchen Handlungen, die eiu starker natürlicher Drang leicht macht, die Achtung vor ihrem sittlichen Werte und l’llichtcharakter als Beweggrund beteiligt sein kann. Der Instinkt der Kltern- und Kindesliehe versüsst die beschwerliebsten Verrichtungen, ist aber kein Hindernis, *lass auch diese um der Pflicht willen übernommen werden. Wenu Handlungen, /.11 denen eine angeborene Neigung autreiht, von sittlichem Werte ׳ sein können, so dar! ein solcher noch weniger jenen Werken ahgesprochen werden, die aus freiwillig erworbener Neigung geschehen. Wer mit einem starken Hange zur Habgier, zur Trägheit, zur Sinnlichkeit, zum Jähzorn, zur Schadenfreude und Missgunst behaftet ist, handelt gewiss vortrefflich, so oft er aus Achtung vor dem Sittengesetze, wenn auch mit Unlust 1111*1 Widerstreben wohltätig, tlcissig. massig 1111*1 enthaltsam, sanftmütig und gelassen ist, Iteilfid 1111*1 Mitfreude erweckt. F*r hat aber offenbar an sittlicher Tüchtigkeit gewonnen, wenn er die Heobaehtung dieser Pflichten nicht jedesmal seiner Natur in heissen! Kampfe ahzutrotzen hat sondern infolge mühsam errungener Neigung gern und willig auf sich nimmt. Wer nicht bloss in einzelnen Handlungen sich gut zeigt, sondern seinen Charakter oder seiner dauernden Willenslichtung nach gut ist, d. h. beharrlich geneigt ist, pflichttreu und tugendhaft zu leben und infolgedessen <*s auch verhältnismässig mühelos tut : gerade der ist eiu vollkommener Mensch, der nähert sich dem Keduschohidcal, dem sich *1er Mensch nähern, alter nie mala ganz erreichen kann. Iler Kampf um die Tugend ist we- .'■entlieh eiu Kampt um die Neigung zum (!Uten. Ohne alle Neigung ist kein Wollen, auch kein sittliches Wollen möglich. Denn jeder freien Willenstat muss ein Beweggrund xnrhergeheu. Der Wille ist allerdings imstande, der stärkeren Triebfeder zuwider zu handeln, dann aber folgt er einer sehwii- * bereu und verschafft ihr durch Heine freie Kiitachcidung das Uehor- :.,*,wicht über *lie stärker*■. Losgelöst von aller Neigung, würde *In■ Achtung vor *lern (!*,setze keiu hinreichender Antrieb *zur Pflichterfüllung sein. Kin Pliichtgebnt, dem der Wille keinerlei Zuneigung cutgcgenhriugt, kann nicht Oegenstand *Ich Wullens werden, bleibt unausgeführt. Diese gilt entweder der Pflirhtband-