Mannheim
Compact Memory

Jüdische Monatshefte · 1919-01-01 · 9/10 (1919) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
6 (1919)
Issue
9/10 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 47)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4900572-5964865-5964968--2265-4902771
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ein Enib-Gesprücb. 23«) Gegenüber der schwachen Wirkung des geschriebenen Wortes pflegt man die Unmittelbarkeit des Kindrucks des gesprochenen Wortes zu rühmen. Mit Unrecht. Gewiss wirkt das gesprochene Wort unmittelbarer als das geschriebene. Aber erst im geschrie• benen offenbart sich der innere Gehalt eines Gedankens, trennen sich die Wege der Wahrheit nud Lüge. Ein Redner braucht das Forum der strengen Kritik weniger zu fürchten als ein Schriftsteller. Das gesprochene Wort verfliegt, es kann jederzeit nachträglich berichtigt und modiliziert werden. Das geschriebene Wort steht in fertiger Abrundung für die Dauer da und muss sich gefallen lassen, so wie cs ist und wirkt, verstanden und durchleuchtet zu werden. Der Schriftsteller muss sich darum mehr in Acht uehmen als der Redner. Er muss sich und seinen Gedanken prüfen, bevor er sich mit einen! Worte ewig bindet. Darum geben auch Sitzungen und Versammlungen über das Wesen einer Partei, einer politischen oder religiösen Gemeinschaft, ungenaueren Aufschluss als die geschriehene Litteratur, in der sich die tiefsten Wesenszüge ihrer Schöpfer jederzeit uachkontrollierbar äussern. Lass dich darum, lieber Leser, niemals verblüffen, wenn du in einer Versammlung, umtost von Reifalls- oder Missfallsrufen, ein gelindes Wanken deiner ererbten Anschauungen verspürst. Warte in solchen Fällen immer, bis du in der Lage bist, das gesprochene Wort in der kalten Nüchternheit des geschriebenen nächzuprüfen. Da wirst du gar oft nicht verstehen, was du zu verstehen, und verstehen, was du nicht zu verstehen glaubtest. Es hat lange gedauert, bis unsere Alten sich entschlossen, die mündliche Thora nicderzuschrcihcn. Acusscrc Verhältnisse zwangen sie dazu. Als sie aber niedergeschrieben war — siehe, da war!las mündliche Wort Fleisch und Rein vom schriftlichen. Ein Geist, der göttliche, ewige, durchweht die schriftliche und mündliche Lehre. Gottes Mund hatte nichts anderes gcj!pr_nchen, als was Gottes Hand geschrieben hatte. ft. R. Ein Erub-Gespräch. Mitglied dar Keligionsgeadlsrhatt: Warum (rügst denn Du niclit? Kurh hat doch euer Kalddner einen Ernb gemacht V Mitglied der Israelitischen (iemeinde: loh darl nicht tragen. Penn euer Itabbinor bat sich an dem Krub Cbazerolh, der zu einem tauglichen Kruh bin/.tikommrn nnii*. nicht beteiligt. K.: Was heisst das? I. : Sollen die llewohner einer Stadt durch einen Krub am Sabbat tragen dürfen, so müssen sich sitnt liehe Bewohner ausserdem zu einem gemeinuamen Krub t'liazeroth vereinen: aus gemeinsamen Mitteln maaa eine Speise eine Ma/zo) beroitet und au einen Ort niedergelegt werdeu. Von *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.