Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 9/10 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4900572-5964865-5964968--2261-4902767- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1 Lebensregeln für den Hausgebrauch. 235 •! Verzicht auf Genugtuung aus dem ernsten Willen erwachsen seio, die Beleidigung aufrichtigen Hnrzens zu verzeihen und sie aus der ן Erinnerung völlig auszustreichen. Ist ein solcher Verzicht nicht 1 hlos eine Äusserung jener billigen Grossmannssncht, die gerne i Unrecht leidet, weil sie sich dabei als grosse Seele vorkommt — j ,,Unrecht leiden schmeichelt grossen Seelen“ — sondern wirklich aus echtem Streben nach sittlicher Selbstzucht hervorgegangen, j dann kann er als sittliches Heldentum, סדת חסידות, begriffen werden. 'j 19. Ist schon beim Verkehr mit jedem N’ebenmenschen Vorsicht i und Rücksichtnahme auf persönliche Eigentümlichkeitand Empfind*. liclikeit am 1’kttz, so ist mau doch ganz besonders gegenüber Wittwen nud Waisen verpflichtet, im Verkehr mit ihuen sorgsam ' acht zu haben auf ihr verwundetes Gemüt. Rührend ist die Für• sorge, mit welcher das Keligionsgesetz (iir die so leicht za Anklagen und Tränen geneigten Wittweu und Waisen um Schonung wirbt. י Jedes harte Wort ist zu vermeiden, wenn du mit Wittwen und י Waisen sprichst. Tu ihnen nicht weh, sprich so mit ihnen, dass die gesteigerte Empfindlichkeit, mit welcher sie über ihre Ehr• wachen, nicht verJetzt-wiriL ״Auch wenn sie reich sind, auch wenn י ihr Gatte und Vater auf einem Königsthron sass. Denn von dem Verbot der Bedrückung jeder Wittwe und Waise redet das Gesetz, j Nicht ungehürt verhallt ihr Hilferuf, den sic aus verletztem Rechts* oder Ehrgefühl znm Allvater senden. Nnr dann, wenn Härte und Strenge zu ihrem eigenen Besten ist, darf der zu ihrer Belehrung und Erziehung Befugte sie hart und streng behandelu. Anspruch auf Schouung bat jedes unselbständige Waisenkind, einerlei ob es . Vater oder Mutter verloren hat. 20. Du bist nicht allein auf der Welt. Nicht darfst du denken: Was kümmern mich die Andern, ich tu. was rei ht ist. was andere über mich und mein Handeln denken, ist einerlei. Hüte dich, etwas zu tun und es so zu tun. dass es von Andern missdeutet werden könnte. Auch der priesterliche (Seldverwalter durfte das Heiligtum uur in einen! Gewand«■ betreten, in den! er nichts ver-