Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 9/10 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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208 Trennung von Kirche und Sti1.1t. göttlichen Schöpferwerde «eine Entstehung verdankt, dann ist er zur Vereitrung Gottes aus t|. m gleichen Rechtsgrumlc verpflichtet wie der einzelne Mensch. Maut sich die religiöse Pflicht der Gottesvcrehrnng für den Einzelnen nur auf den! Rechtsanspruch auf, den Gott als Schöpfer an seinen! menschlichen Geschöpfe hat, dann ist die gleiche Voraussetzung auch heim Staate festzustclleu. Man komme nun uieht mit dem einfältigen Kinwande. dass ja die Stauten nur vergängliche Zufallsgebilde des historischen Prozesses seien. Ist denn der einzelne Mensch etwas anderes? Beginnt denn die Gottesleugnung erst auf dem Gebiete der politischen Anschauungen!’ Sieht sie nicht anch den einzelnen Mensehen losgelöst von (;oft, lediglich als Produkt des Zusammenwirkens natürlicher Faktoren an? Wer Gott im Kinzclleben leugnet, wird auch beim Staate nicht Halt machen. Wer aber Gott in seinem Einzelleben als 1'rgrund, als Wegweiser,' als Zielpunkt anerkennt, ist sehr inkouse<|Uent, wenn er sich als Staatsbürger von Gott lossagt. ad 1 Hass der Mensch nicht allein von! Brote lebt, ist eine Wahrheit, welche die Thora verkündet hat, als cs noch lange keinen Papst und kein Christentum gab. Wenn nimmt auch die Lehre vom jenseitigen Leben nur einen kleinen Raum ein im Lehrgehäude des Judentums, so schweigt die Thora vom Jenseits doch nur deshalb, weil ihr die Vermählung des Irdischen mit dem Himmlischen gefährdet schiene, wenn durch scharfe Abseheidung des Himmels von der Erde die durchgängige Vergeistigung des Menschenlebens zu einem erst im Jenseits zu verwirklichenden Ideal würde. Die Vergeistigung des-Körperliehen, die Vcrhimmlisehung des Irdischen beginnt im Sinne des Judentums schon hienieden. Sic kann aber hier niemals richtig von statten gehen, wenn die Vereinheitlichung des Lebens durch eine Zersplitterung der ölfenlliehen Gewalten in Kirche und Staat verhindert wird. So wenig kennt das jüdische Staatsideal eine Trennung von Kirche und Staat, dass der jüdische Staat selber nichts anders als die Staat lieh organisieitc. erst im Staat sieh wirklich aiish bende, in ihm und durch ihn erst lehen-tälng gewordene jüdische Kirche war, oder, sagen wir b 'ser, sein sollte Ist der Staat göttlichen L'r