Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 9/10 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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307 Trennung von Kirche und Staat einzelnen Menselien, und darum muss er nicht hloB privatim, sondem auch von Staatswegen verehrt werden. 2. Sodann leugnet sie nicht undeutlich, dass es etwas über die (irdische) Natur hinaus gehe. Denn sie hemiast das Wirken des Staates ausschliesslich nach der «Wohlfahrt des sterblichen Lehens, in der das nächste Ziel der staatlichen Gesellschaft hesteht; das letzte Ziel der Riirgcr aber, das die ewige Seligkeit nach diesem kurzen Lehen ist. lässt sie als staatsfremd vollständig beiseite. I >01-11 wie im (•egenteil diese ganze vergängliche Welt die Erlangung jenes höchsten und mang'JInscn (»Utes bezweckt, so ist es wahr, dass der Staat dabei nicht hindern, vielmehr helfcu muss. 3. Ausserdem wirft sie die weise göttliche Weltnrdnnng um, die zweifellos Eintracht zwischen beiden Gesellschaften, der religiiisen und der staatlichen, verlangt. Denn da die beiden, obwohl jede von ihrem Standort aus, doch über dieselben Menschen herrschen, kommt es unausbleiblich, dass sie ott mit Rechtsfragen aufeinanderstossen. fiir die beide eine Zuständigkeit halten. Wenn 111111 der Staat mit der Kirche nicht verbunden ist. so werden aus diesen Fragen leicht die Keime von Streitigkeiten erwachsen, die auf beiden Seiten grosse Schärfe annehmen, die Geister verwirren und das Gewissen der Menschen in arge l nruhc versetzen. 4. Endlich fügt sie die^'l’rennungsforderung) der staatlichen Gesellschaft seihst den schwersten Schaden zu; denn diese kann mellt lange blühen oder bestehen, wenu sie die Religion hintansetzt, die dem Menschen höchste Fiihrcrin und Leiterin dazu ist, dass er Rechte und l’llichtcn heilighalte. Als orthodoxe Juden werden wir zu diesen vier Gründen folgendes zu bemerken haben. ad 1) Es ist sicherlich auch 1m Sinne der Thora richtig, dass G״tt nicht Idos Schöpfer und Erhalter des einzelnen Menschen, sondern auch der menschlichen Gesellschaft ist Derselbe («ott, der \dam erschuf, riet ihm und seinem Weihe auch zu: Seid fruchtbar und vermehret euch und füllet die Erde' Der Staat ist •,,her nichts anderes als gesellschaftliche Erdciifiilluiig in organisierier Form Ist es nun richtig, dass auch der Staat einem