Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 7/8 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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T -— ■ ■ ■ 1&4 Religionslose Kthik '< mit dem göttlichen Willen so geeint, dass er ihn nicht als eine lästige Fessel, sondern als den eigenen Willen empfindet und daher die l'tlicht als eine ll:1:,dl.1ng höchster Freiwillidkeit vollbringt. Der Gotteswille ist ilmi so ins Her/, geschrieben, dass er die Seele seines eigenen Willens geworden ist. .*1CT vtc* pr., sagt ein tiefsinniger Erklärer, Gott formt und gestaltet den Willen seiner Frommen, dass sie nichts anderes wollen als er, oder wie Kam hum sagt, dass jede jüdische Seele so gestaltet ist, dass ihr die Vollbringung und Vollstreckung des göttlichen Gesetzes zur eigenen Natur geworden und jede Abweichung vom göttlichen Willen ihr als naturwidrig erscheint. Im (»ewisHen fühlt sich die Seele an de» Urgrund und das Endziel ihres Seins so fest gekettet, dass Hie in ihm eine Selbstgesetzgehutig, ein Sclbstgericht und eine Sclhstvetgeltung vollzieht. Denn sie empfindet die Urteile und Mefehte der Gottheit als Wirkungen der eigenen Wesenshestimmtheit. Das Gewissen i»t uns ein leheudiges und starkes, durch keine Einwäiide zu entkrättenden Zeugnis dafür, dass wir unserer Natur und EndbcBtimmung nicht auderR als durch den Gehorsam gegen Gott zu entsprechen vermögen, nur durch die Übereinstimmung mit seinem Willen unsere Menschenwürde behaupten, unser Daseins/.iel erreichen und unsern Gehenswort sichern können. F.s bezeugt nicht bloss dem Verstände, sondern auch dom Geiniite, dass das göttliche Gesetz der einzige Wegweiser zum Endziele und wahren Glücke ist. Man wird also der eigenen Natur nicht untreu oder fiemd, sondern befindet sich im vollkommensten Einklänge mit ihr, wenn man aus Ehrfurcht vor Gott oder aus Eiche zu ihm einen sittlichen Wandel führt. Itei der Erfüllung des göttlichen Willens kommen die Beweggründe der ..selbständigen■‘ Moral: Vernünftigkeit. Selbstachtung. Selbstvorvollkonimnung. < ierechtigkoit, Billigkeit u. s. \v. nicht weniger zur Geltung als bei der Beobachtung der Rechtsordnung. Dieser Umstand enthüllt auch das Geheimnis der Gewissensbisse, die in der religionslosen Ethik keine befriedigende Erklärung finden. Die Entzweiung mit Gott ist auch eine Selbsient/weiung, ist auch ein Frevel gegen sich selbst. Die Serspätete und daher nutzlose Erkenntnis der