Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 7/8 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Wohin V 175 Wohin? Aus dem Brief eines sterbenden Vaters an seine strebende Tochter. — — — Ich liess mir saften. Du habest es übel vermerkt, dass ich jüngst mich nur an Deinen Bruder wandte und beansprachest nun nach dem Gesetze der Gleichberechtigung eine Stellungnahme meinerseits zu den Problemen, die Dich beschäftigen. Gut, der künftigen Wählerin soll ihr liecht werden. Ich habe Dir mehr und weniger zu sagen, als Deinem Bruder. Mehr, weil doch immerhin das Wollen Deines Bruders und seiner Altersgenossen Wollen Produkt einer Kntwiekln1f{r1sTrdieAlaelre1nem tmTunscrein, der Alten Wollen harmonieren'den Ziele zu lenken man in tragischer Stunde versäumt hat; weniger, weil Dein Streben einen ausgeuprochen explosiven, revolutionären Charakter trägt und es nach der Anschauung unserer Weisen ז^ל in den Sprüchen der Väter aussichtslos' grsPheint, so stürmischem Begehren andere Wege weisen zu wollen. Doch erschrick nicht, ich will Dir weder über das etwas stark abgenutzte Thema: Die Frau im Judentum, noch aber das weniger gern gehörte: Das Judentum in der Frau einen Vortrag halten; ich bin auch zu wenig Strindbcrg, als dass ich Dir über die Frauenemanzipation im Allgemeinen viel Neues oder viel — Altes zu sagen wüsste. Ich möchte Dieb nur verstehen und möchte Dich bitten, auch mich etwas verstehen zu wollen. Gerne gebe ich Dir zu, dass Du mehr weisst, als Deine Mutter und gewiss mehr, als Deine Grossmutter; aber, wohin führt Dein WegV Darum lass uns zunächst einmal über das Wissen sprechen. Du sagst mir, ja die alte, still-umfriedetc Poesie der ,צאינה יראי;ד• Grossmutter ist vorüber, unwiederbringlich vorüber, wir haben jetzt Schiurim. regelrechte Schiurim Sei nicht böse, wenn ich zu sehr am Alten hänge. Aber ich halte das für etwas Kxaltiertes, und alles l'.xulticrte für ungesund. Zunächst einmal im Verhältnis zn dem דין, zu unseren l{eligionsvorscl1riften. Ich habe mich bei Purem wärmsten Anwalt, bei S. H. Hirsch *ןיי befragt; sein eindringliches Plaidoyer (\. 11. 1!* verlangt ״jenes Verständnis des jüdischen Schritttunis und jene Kenntnis des Gesetzes, die zu einer wahren, zu gewissenhafter Pflichttreue führenden Gottesfurcht und