Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 5/6 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Cber den Stand des religiösen Lebens in der Berliner jüd. Ciemeinde. 14t Man glaube nur nicht, es könnte diesen i’belstünden dadurch allgeholfen werden, daß an Stell(‘ des geltenden Wahlrechts in die Repräsentantenvcrsammlung der Proporz eingeführt würde. Was uns nach der Richtung hin in der Zukunft etwa bevorsteht, dafür bietet ja die Vergangenheit hinreichende Handhaben. Wir hatten doch auch bis dahin auf unserer Seite eine Minorib'üsvertretung in der Repräsentanz. Es macht doch wahrlich keinen irgend wie gearteten Unterschied aus, ob diese Minorität auf dem Wege des Kompromisses. oder auf (*rund des Proporzes in die Repräsentanz ihren Einzug hält. Es wird der Minorität der Zukunft nicht anders ergehen wie ihrer Vorgängerin. Sie wird es zunächst auf dem Wege der Nachgiebigkeit versuchen und wird auf diesen» Wege .immer mehr in die Enge getrieben und so lange brüskiert werden, bis schließlich auch ein noch so weit fortgesponnener (!eduldfaden einen Riß bekommt und wir stehen alsdann genau dort, wo wir heute sind, wenn nicht die Lage eine noch viel schlimmere Wendung erfahren solle. Heute sind es zwei Weltanschauungen, die um die Macht in der («emeinde ringen. Da ist es wohl möglich, wie dies tatsächlich der Fall ist, daß dre eine dauernd den Sieg davonträgt und die andere unterliegt. Diese siegende Richtung trägt aber dann auch vor flott und der Welt die Yerantwortung für das («eschick des Judentums und darf sie auf keinen abwälzen. Nur so kann es dahin kommen, daß dem Judentume schädliche Richtungen sich ausleben. - aber auch überleben. Das von dieser Tyrannei befreit«‘Judentum wird alsdann wieder zu einem vollen Atemzuge ausholen können, wenn es sich zu einer entschlossenen Tat aufraltt Dieses ganze System muß aber abgesägt werden, anders ist dem Judentume nicht zu helfen. Der Eintritt dieses Wandels mag ja für manchen gar zu lange dauern. Da^ aller ist unser Verhängnis, daß unser Weg durch die (Jeschichtc sich in solchen Schlangenwindungen bewegen muß. I’nt«*r der Herrschaft des Pioporzes dagegen wird die Repräsentanten- Versammlung das Bild einer bunten Musterkarte aller mög