Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 7/8 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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230 *■־ Die Revision des bayerischen Judenedikt■. solange diese wichtigste aller imierkirchlichen Vorfragen völlig unentschieden ist. Wir stimmen mit Neumeyer völlig überein, wenu er auf S. 2 seiner ״Bemerkungen" sagt: ״Wir stehen in unserem religiösen und kirchlichen Lehen in einer Zeit der Spannung und Oährung, die 7.11 einem Kuhepunkt kaum gelangt und dämm 711 einem gesetzgeberischen Vorgehen wenig geeignet ist..." W'enn wir behaupten, dass die prinzipielle Vorfrage, wie die religiösen Oegcnaätze innerhalb des Judentums. Orthodoxie and Neologie. iuncrkirchlich zu bewerten seien, unentsebieden ist, so müssen wir einem Missverständnis verbeugen, das geeignet ist, die erforderliche Klarheit in diesem Funkte zu beeinträchtigen. I'nentschicden ist diese Vorfrage nur in dem Sinne, als selbst innerhalb der ba\erisehc!1 Orthodoxie über diesen Funkt ein Hin- Verständnis bisher nicht zn erzielen war. Ks stehen sich hjer zwei Meinungen unversöhnt einander gegenüber. Oie sogenannte Trennungsorthodoxie vertritt die Meinung, dass zwischen Orthodoxie und N'eologie u1indes%ns ein solch scharfer Oegensatz obwalte wie zwischeii Katholizismus und Frotestantismus und ein!• ( her-* brückung dieses Oegensat/e* ebenso unmöglich sei wie ein Konipromiss zwischen Ja und Nein. Aut der anderen Seite stellt sich die sogenannte Oenieindeorthodoxic uul!len Standpunkt, den der trübere Kultusminister \ Webner am ‘J<1. Januar 1U10 im bayerischeu Landtag bei seiner t'liarakteristik der Differenzen zwischen Orthodoxie und N'eologie emnaliiu : ״In der jüdischen Olaubensge- Seilschaft haben sich /wei Richtungen heruusgebildet. die, wenn sie auch in den Orundlebren ihrer Olaubensformel zusammen gehören und (Rieder der einen israelitischen Oluuheusgeaellscliaft bleiben wollen, doch in ihren religiösen Anschauungen und den Formen ihrer Betätigung tiefgreifende Unterschiede aulweisen". Steht es aber Ic't. das-■ selbst in dieser wichtigsten Vorfrage der Revision nicht einmal in den Rollen der Orthodoxie klares Kinverstiiiiduis herrscht, dann würde es einen bedenklichen Lingriff in die inucrkircblicbcn \Vrlmltn1sse des Judentums bedeuten, wenn nun ihrerseits die Kgl Staatsregierung dazu überginge, sich nach <ter einei» oder andern Seit!• zu entscheiden und ihrer Oe■ setzgebung eine Bewertung der vorhandenen religiösen Oegenaiitze